Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Florijan van der Holz – Mehr als Papier

Mehr als Papier

von Bernd Pakosch

Was für ein Name… Florijan van der Holz. Damit muss man ja einfach Künstler werden/sein. Ich habe keine anderen Veröffentlichungen finden können, also denke ich mal, dass es sich hierbei um einen Erstling handelt.

Was mir als erstes auffiel, war die perfekt gespielte Westerngitarre des ersten Liedes „Mehr als Papier„. Die Melodie und der Ablauf der Akkorde wirken nach dem zweiten bis dritten Hören etwas monoton, aber dafür entwickelt sich der Text sehr schön, bis zum Schluss aus den wirren Worten ein Brief wird, oder zumindest vollständige Sätze. Seine Sprache kommt spröde und zerbrechlich daher, wie seine Stimme. Aber in jedem Fall erdig und ehrlich.

Segelboot“ bietet eine ganz andere Stimmung mit Akkordeon und den Klingeltönen, die mich dann doch an „Keimzeit“ denken lassen. Aber die Stimmung kommt rüber, und das ist was zählt für mich. Das Text-Bild erinnert an Frau Depenbusch, aber ja, da war es ein Tretboot.

Also die Gitarre haut mich echt um. Auch wieder in „Blind vertrauen„, obwohl für mich dieses Lied zu den schwächeren auf dieser EP gehört, da sich auch hier das Muster zu schnell abnutzt. Ich wünschte mir für ihn mehr Mut zu schrägeren, jazzigeren oder auch Null-Akkorden und halsbrecherischen Wendungen. Leider ist für mich der Text auch zu einseitig und nicht tief genug gedacht. Ein Vertrauen mit offenen Augen und im Wissen der eigenen Fehler erscheint mir wichtiger als ein blindes Vertrauen; aber die Gitarre, auch wenn ich mich wiederhole, klingt super!

Das ist mein Lieblingslied auf der EP (bis jetzt) „Ich vermisse nichts„. So eine Art Gute-Laune-Auto-Musik. Mit Pedal-steel-guitar sind wir jetzt fast im Country angelangt, aber nur bedingt, denn da ist noch eine geil geblasene Trompete, die mich mal kurz mit zu „Lhasa de Sela“ nimmt, dann wieder zurück ins Auto, mit der heruntergeleierten Beifahrerscheibe und dem Wind in den Haaren… und ich vermisse nichts.

Aber Florijan entpuppt sich dann doch eher als ein kopflastiger Melancholiker,… denn man weiß ja nie!… Und nun, bei den „Cornflakes“ angelangt, habe ich wieder das Gefühl der kleinen ehrlichen Geschichten, die mir so sympathisch sind. Das Grau vor dem Fenster, das das Glück noch viel größer macht. Bei diesem Lied gesellt sich auch ein Klavier dazu, welches mich in eine Kneipe entführt, wo mir aber bald der Kopf weh tut und müde wird. Also dann doch lieber noch eine Runde mit dem „Segelboot„.

www.florijan-van-der-holz.de

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