Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Rezension: Klaus Hoffmann – Sehnsucht

 

Sehnsucht_Hoffmann

von Bernd Pakosch

Stell dir vor: Du hättest eine Handvoll bunter Scherben und legtest daraus ein Bild, gleich einem Mosaik,… dann brächtest du alle Scherben wieder durcheinander und legtest ein anderes, ein neues Bild, je nach Stimmung und Situation. Immer wieder neue Bilder aus den aber immer gleichen Scherben. Klaus Hoffmann besitzt diese Scherben und schreibt seit vielen Jahren an seinem Lied. Er ist der Magier, der Sänger und auch Sonderling, der Schauspieler, der in so vielen Rollen sich selbst suchte, und in seinen Liedern immer noch sucht.

Ich habe die vielen Platten und CDs nicht gezählt, aber ich habe sie alle! Und immer konnte ich den Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung kaum erwarten. Seit einiger Zeit kaufe ich mir keine CDs mehr, weil sich auf unserer Erde schon genug Plastik befindet, und niemand weiß es umweltfreundlich zu entsorgen. Seit Oktober 2014 befindet sich nun also die mp3-Datei von „Sehnsucht“ auf meinem Rechner, das neuste Werk von Klaus Hoffmann.

Ein Lied über Zugvögel gibt ein Konzept vor, welches für mich auch aufgeht.
Sie sind wieder da“ erzählt vom Ankommen und Abschied, vom Kreislauf allen Seins und von der eigenen Kraft, die unser Leben bestimmen sollte. Zugleich beinhaltet es ein Thema unserer Zeit: Ausländerfeindlichkeit und die damit verbundene Unsicherheit sich selbst als Fremder zu fühlen. Das ist dann genau der richtige Moment für eine kleine Enkelin, die alles leicht nimmt und im kindlichen Übermut die Probleme unserer Welt einfach weglacht: „Sie tut mir gut“.

Beim nächsten Lied „Dein Traum“ wird mir schmerzlich bewusst, wie Klaus Hoffmans Sprache und somit seine Bilder an Schärfe und Beißfreude verloren haben. Ein Lied über Toleranz und Achtung ist wichtiger denn je in unserer Zeit, aber dieses Lied gleitet ab in schlagerhafte Bereiche wie: „Ein kleines Glück wird einmal groß“. Und die Hoffnung auf „…irgendwann dieses wunderbare Licht...“ erscheint mir sehr gering. Da war mir die Energie von „Sie nennen mich Tunte“ viel näher.

Sehnsucht“ hat einen sehr schönen Textaufbau und die Geschichte entwickelt sich nachvollziehbar, und hier ist auch wieder die gefühlvolle Gitarre von Micha Brandt,(„…hatte immer ein Aber bereit…“). Warum musste das Lied in dieser Tonart sein? Hoffmans Stimme klingt besonders bei „Sehnsucht“ so angestrengt und hart an der Grenze… Aber vielleicht war es ja auch so gewollt?

Für das Lied „Riccione“ musste ich erst einmal recherchieren. Wer oder was ist Riccione? Und was hat es mit Fellini auf sich? Aber irgendwann merkte ich, dass der Ort nicht das Wesentliche ist und dass jeder seine ganz eigenen Orte hat. Das Bild von der ewigen Liebe, beim Spaziergang am Friedhof entlang, ist ein sehr treffendes für mich und allgemeingültig.

Mann auf der Bank“ zählt für mich zu den stärksten Liedern des Albums. Dieses Gefühl aus „nicht wissen wohin“… „obdachlos“… „verlassen sein“ und „Überlebensängsten“ konzentriert sich auf eine einfache Bank im Park. Dann kippt das Bild und aus der Parkbank wird eine Bank. Eine tolle Idee in einer großartigen Umsetzung! „…bis wir merken, dass man Geld nicht essen kann!“

Ich habe mir vorgenommen nicht über die Produktion und die musikalische Umsetzung der Lieder zu schreiben. Was soll schon schief gehen, wenn Kollegen wie Hawo Bleich und Michael Brandt, die ihm schon jahrelang zur Seite stehen und Meister ihres Faches sind, auch diese Lieder begleiten und klanglich auf eine Ebene heben, die seinesgleichen sucht. Nur soviel: bei „Sie tut mir gut“ komme ich immer in Versuchung, „…Autos verpacken…“ mitzusingen, aber das wird wohl an den bunten Scherben liegen.

Bei „Die einfachen Dinge“ fühle ich mich dann wieder ganz nah und verwandt mit Klaus Hoffmann, und ich kann dieses „Heimweh nach zu Haus“ nur zu gut nachfühlen. „…es fängt alles wieder an… ein Salto rückwärts aus dem Dauerzwang… und die ganze Welt ist neu, der Vogel singt und alles scheint so sonnenklar …ich dachte, der Zug ist abgefahren… und es fängt alles wieder an“.

Das ist Klaus Hoffmann pur, ist Programm, ist der Hoffmann, der mir aus der Seele singt; wo ich mich frage: „Wieso kennt der mich so gut?“ Der Beginn im Ende, das Aufhören im Anfang. Wann erscheint die Neue??

www.klaus-hoffmann.com

Ein Kommentar zu “Rezension: Klaus Hoffmann – Sehnsucht

  1. Marc
    20. Februar 2015

    Wunderbarer und treffender Vergleich mit einem Mosaik, vielen Dank dafür!

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