Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Rocco Konserve – Unterwegs

unterwegs-cover

von Michael Lösch

Ja, die Liedermacher haben es heute nicht mehr so leicht. Was gab es früher für eindeutige Positionen und klare Frontverläufe zwischen Gut und Böse, für den Frieden, für die Dritte Welt und für den Fortschritt, alles in Noten gepackte Gewissheiten. Heute ist nur noch das universelle Toleranz-und-gute-Laune-Gebot geblieben und dennoch, das „Trübsal blasen“ will einfach nicht so richtig aussterben, auch musikalisch nicht.

So spielt sich auch wenn Rocco Konserve „Unterwegs“ ist, das allermeiste im Kontinuum zwischen Nachdenklichkeit und Unglücklichsein ab. Er schickt große und kleine Tränen auf Reisen. Es ist die gefühlte eigene Irrelevanz für den Rest einer vermeintlich glücklichen Welt. Gleich zu Beginn gibt es mit „Unerfülltheit“ einen leisen Appell an die Sinnsuche, so ganz nach dem Motto „Das kann doch nicht alles sein“, ein softrockiger Ruf nach mehr. In „Unterwegs“ denkt er aus räumlicher und zeitlicher Ferne über die und das Verflossene nach. Es ist kein Zurücksehnen, sondern ein Zurücklehnen, ein mit der Müdigkeit der Ernüchterung daherkommendes Bilanzieren: „Dir tut´s weh und mir tut´s leid“. Das Thema Trennungsschmerz wird in „Bis zum letzten Augenblick“ noch mal vertieft.

Im nächsten Lied wird ein Halbsatz zur ganzen Wahrheit. „Es war mein Stolz den ich da traf, als ich Steine an dein Fenster warf“. Dem ist nur noch wenig hinzuzufügen. Obwohl in dem Stück noch mehr gesungen wird, ist es dieser Satz, der schon genügt. Er greift Raum und beansprucht für den Rest des Liedes das melodische Erlebnis allein. In „Ich geh nach New York“ kommt es zu ersten kompositorischen Brüchigkeiten. Die Tonlagen streuen mehr um das Grundthema herum, die Gitarren werden auf einmal elektrisch. Nach New York gehen, um inmitten aller Menschen alleine zu sein, genau das ist es. Wenn auch die Augenhöhe zu dem einmaligen „The only living boy in New York“ von Simon und Garfunkel von vornherein nicht gelingen kann, so bleibt der Versuch dennoch nicht peinlich und ist von daher schon gelungen. In „Ich schlafe nur“ gibt es sogar schöne Momente, auch wenn sie nur im Traum stattfinden. Sie sorgen für melodischen Schwung und sind sozusagen der Off-Beat des gesamten Repertoires. Hier wird es einem zum ersten Mal ein wenig leicht, wenn schon nicht ums Herz, so aber doch ums Gehör.

Unterwegs“ hat dann auch wieder überwiegend Melancholie zu verkünden. Langeweile, Einsamkeit, Nachdenklichkeit, Trennungsschmerz, Eifersucht, Verlorenheit; all die großen und kleinen Selbstzweifelfelder des menschlichen Seins sind doch irgendwie miteinander verwandt, und so ähneln sich denn auch die Gitarren- und Tonfallkombinationen dazu. Sie geben einfach das Gefühl in seinem Daseinsschmerz verstanden zu werden. Es sind Botschaften der Empathie und des sich Hineinfühlens.

www.roccokonserve.wordpress.com

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 23. Februar 2015 von in 2015, Liedermacher, Neu & aufgefallen, Plattenbesprechungen, Uncategorized und getaggt mit , , , , .
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