Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Philipp Taubert – Wolken der Stadt (EP)

Wolken der Stadt

Die aktuellen Songs von Philipp Taubert – und viele weitere Neuerscheinungen und Klassiker – hören Sie im Lorbeerfunk, unserem Radiosender rund um Liedermacher & Chansonniers. Zum EAL-Radio HIER entlang.

von Michael Lösch

Ja, der Großstadtblues lauert wirklich überall, er kommt als Endlosschleife aus Träumen und Sehnsüchten daher. Man kann sich als Interpret unterschiedlicher Darreichungsformen bedienen, Taubert hat sich Wolkengebilde ausgesucht. Wolken ziehen vorüber, sie sind das Bild für Auflösung und Verflüchtigung. Manchmal hüllen sie einen aber auch ein. Von daher passt die Wolkenmetaphorik gar nicht mal schlecht. Gleich zu Beginn lässt Taubert die Palette seiner Befindlichkeiten ein wenig umher schweben, versieht sie mit nostalgischen Reimendungen.

Mit dir find ich für immer nicht mehr schlimm“ ist als Liebeslied gedacht, und der Refrain sagt denn auch mehr als der Rest. Er ist Liebesbeweis schlechthin. Dazu gibt es einfühlsam sanfte Gitarre und Mundharmonika.

In „Evelyn“ scheint die Anbetung eine konkrete Personengestalt anzunehmen. Es ist eine Art Flamenco in Zeitlupe und auf zwei Tonlagen. Die Gefühle für Evelyn scheinen echt zu sein, aber wenn der Gesang in seiner Aufgeregtheit eine fast schon parodistisch anmutende Gegenposition zur gleichförmig dahin fließenden Gitarre einnimmt, kann man sich des Höreindrucks nicht so ganz sicher sein.

In „Licht der Stadt“ reimt sich Bordstein auf Rotwein. Entsprechend weit ist der Traum und Gedankenbogen beim nächtlichen Trottoir-Flanieren gespannt. Hier wird mehr die Angst vor der Verliebtheit besungen. Ein Minnegesang unter Straßenlaternen.

In „April“ geht es um Erinnerungen; Verflossenes und Verflossene bekommen Charakter und Gestalt.

Taubert liefert hier eine in Folk- und Countryklängen daher kommende Sinnsuche nach seelischer Komplizenschaft ab. Wenn Text und Thema gefallen, dann wird das Zuhören zum solidarischen Moment. Die Gitarre ist der ruhende Pol dabei, ob sie nun begleitet oder treibt. Sie hält die sanfte Reibeisenstimme auch dann noch im Zaum, wenn sie sich in Augenblicke der schrillen Aufgeregtheit hineinsteigert.

www.philipptaubert.de

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: