Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Sabine Stieger – Sabinschky

sabinschky

von Bernd Pakosch

Als die ersten Töne mein Ohr erreichten, war ich hellwach! Was ist das denn? Fetter Sound, jazzige Einleitung, perfekt unisono, starke Stimme… Jetzt musste ich mich erst einmal kundig machen. Also: Sabine Stieger kommt aus Österreich, hat Erfahrung als Frontfrau einer Band, die ich nicht kenne, und legt hiermit ihre erste Solo-CD vor. Die Textverständlichkeit ist nicht ganz leicht, aber das gibt es zum Teil auch bei deutschen Liedermacherkollegen. Man gewöhnt sich daran und lernt dazu, je öfter man die Titel hört.

Also zurück zum Anfang. Das erste Lied „Geh bitte“ enthält alle Zutaten für einen gelungenen Start: Ich werde hineingezogen in eine jazzige Gute-Laune-Weltmusik mit Klavier, Kontrabass und Akkordeon; und ich befinde mich textlich zwischen Beziehungsstress und einem Ratgeber für Besserwisser, die aber am Ende auch nur mit Wasser kochen und immer die gleichen Fehler begehen. Alles kommt locker und leicht daher, mit gut gemischtem Satzgesang mit sich selbst, der mich manchmal an Maryla Rodowizc erinnert und ebenso voller Lebenslust steckt.

Dieses Lebensgefühl behält auch im zweiten Lied die Oberhand und kommt mit der altbekannten Weisheit daher: Lebe dein Leben, genieße was du hast und beneide nicht andere um ihr Leben, welches du nicht kennen kannst, denn: „Irgendwas is imma“.

Mit dem dritten Lied „Wöd“ kommt etwas Ruhe ins Spiel, begleitet durch Gitarre und Posaune. Tränen werden zu Silber, Stille und Frieden im Innern. „…sie schließt die Augen und auf einmal wird’s hell…“ Textlich bin ich plötzlich bei Grönemeyers „Musik, nur wenn sie laut ist“. Ich mag Texte, die mich auf eine Reise ins Unbekannte locken.

Vielleich hätte Frau Stieger das folgende Lied „Servus, Tschüss und Baba“ an den Anfang ihrer CD positionieren sollen, da es um Verständlichkeit und Verständigung geht, aber alles muss ich nicht verstehen und die Musik schlägt Brücken auf ihre Weise.

Bitte Danke“ erzählt von Abhängigkeiten, Schuldgefühlen, Machtmissbrauch und von der Schwierigkeit einfach mal „Nein“ zu sagen; und das alles in einer musikalischen Verpackung, die mich in ein Wiener Kaffeehaus versetzt, wo eine Geige mir süß ins Ohr säuselt: „...lass dich nicht aufhalten. Bitte Danke!“

In einer Welt der Besitzansprüche und der eigenen Definition über „mein Auto, mein Haus….“ wundert es nicht, wenn wir auch versuchen unsere Beziehungspartner als Besitz anzusehen. Kontrollzwang aus Angst den anderen zu verlieren und ihn damit erst recht zu vertreiben. Davon handelt „Büdflächn“.

Es gibt das Lied von Klaus Hoffmann „Für zwei Stunden“, welches eine ähnliche Geschichte beschreibt wie „Perfekt auf Zeit“. Eine Beziehung ohne Alltag, ohne Probleme und Stress, alles stimmt, keine Fragen, kein Versprechen und kein Morgen, sondern Liebe perfekt auf Zeit.

Schein ist mehr als Sein? Alles nur Blender? In der Politik und auch in der Wirtschaft finden sich leider immer wieder solche Personen der Selbstinszenierung und Selbstvermarktung. Ja, sicher auch in der Kunst, nur da ist der Schaden etwas begrenzter und hat nicht solche Nebenwirkungen. „Wos du ned sogst

Wie Phönix aus der Asche, aufrappeln und weiter! So endet diese Produktion mit den „G’stutzte Flügl“, die wieder nachwachsen. Und auf einmal mischt sich nun doch eine Spur Melancholie in diese wunderbar gelungene und perfekt produzierte CD.

Melancholie ist für mich, wie das Salz in der Suppe, eine unerlässliche Zutat.

www.sabinestieger.com

2 Kommentare zu “Rezension: Sabine Stieger – Sabinschky

  1. davidwonschewski
    9. März 2015

    Eine tolle Besprechung, Herr Pakosch. Wobei die ehemalige Band von Sabine Stieger wahrlich nicht „von Pappe“ war – womöglich aber wirklich nicht in allen deutschsprachigen Gefilden bekannt.Von daher überrascht mich ihr Gesamteindruck keineswegs.

    • bernd pakosch
      9. März 2015

      Danke, es macht einfach spaß durch unbekanntes zu streifen und abzutauchen…

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 9. März 2015 von in 2015, Plattenbesprechungen, Uncategorized und getaggt mit , , , , , .
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