Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Klaus-André Eickhoff – Während ich warte

 

EickhoffWährendichwarte

von Michael Lösch

„Eickhoff ist ein Songpoet, der messerscharf und humorvoll das menschliche Dasein seziert. Er beobachtet das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen, Oberflächlichkeiten und Abgründen und spiegelt seine Erkenntnisse in seinen Liedern wider. Er bringt einerseits nachdenkliche Gedanken zu Gehör ohne Klischees zu bedienen, zum anderen kommen die Lieder mit Leichtigkeit und Witz daher, wobei er oft auch gesellschaftskritisch und ironisch ist. Von der Presse wird er gerne als Wortakrobat und Meister der leisen Töne bezeichnet.“

So lautet der Wikipedia-Eintrag über Klaus-André Eickhoff. So kommen auch auf dieser CD Höhen und Tiefen nicht zu kurz, insgesamt scheint er sich aber recht deutlich der positiven Lebenseinstellung verpflichtet zu fühlen. So ist denn gleich der Titelsong „Während ich warte“ Liebespoesie pur, immer wieder gern gehört, verträumt und ehrlich. Die Musik versucht gar nicht erst, über Text und Inhalt hinaus zu wachsen, so passgenau ranken und schmiegen sich die Melodie-Module in Dur um die ergriffenen Worte herum. Eickhoff macht hier den Botschafter für Glückshormone. „Alles zu viel“ ist eine mit viel Piano versehene Burnoutdiagnose mit Entspannungstipps, eine Art Klangtherapie für positives Denken. „Zwei Wege“ ist im Grunde ein Aufbaukurs davon. Hier geht es um das Wunder des Verstandenwerdens, wenn es denn auf Seelenverwandtschaft beruht. „Dass sich unsre Wege treffen, dass sich unsre Seelen berühr‘n, dass sich unsre Herzen verbinden und dasselbe spür‘n.“ Und es geht weiter mit den Botschaften. In „Drei Wünsche“ schwingen sie sich sogar zu Wortreimwitz und sprachlicher Originalität auf. Diesmal darf die Wunschfee aus dem Märchen herhalten. Ihr Drei-Wünsche-frei soll die Überflussgesellschaft symbolisieren, gibt es doch für den Interpreten nur einen Wunsch gegenüber dem alle restliche Begehrlichkeit verblasst: Wish you were here.

Und so beackert Eickhoff seine Themenfelder wacker weiter. Mal steigert sich das gegenseitige Aneinanderdenken zur Telepathie und das gegenseitige Loslassen wird zum Hoffnungsschimmer. „Wenn ich dich loslassen kann, dann nur, weil alles geht und unser Happy End dann auf einem andern Blatt steht“. Der Refrain von „Wenn ich dich loslassen muss“ klingt ein wenig wie „My bonnie is over the ocean.“ Es ist der Takt des Daseins und Nahseins, der ihn antreibt und auch zum Thema Sehnsucht fallen Eickhoff jedes Mal neue Worte und Noten ein. Bei „Chaos hinter der Stirn“ wird dann offenkundig, was sich zuvor angedeutet und so angefühlt hat, der Gottesbezug. Eickhoff outet sich so gesehen zum Schlussdrittel hin als ein christlicher Liedermacher und auch „Ich hab geglaubt“ könnte als Aussprache mit Gott zu verstehen sein. Darin lässt Eickhoff es aber nicht mehr beim Dauerpathos einer inneren Beglücktheit allein bewenden, sondern er lässt auch Zweifel und Resignation zu. So ist dieses Lied mit das stärkste im Repertoire.

Insgesamt präsentiert Eickhoff kamintaugliche Kuschelballaden mit Schlagergenen. Man ist geradezu erstaunt, wie er in diesen komplizierten Zeiten noch den Mut für seine klaren Botschaften findet. Vielleicht macht aber gerade der Mut zur naiven Text- und Melodien-Malerei den Charme seiner Lieder aus und es kann gewiss nicht schaden, die Dinge dadurch klarer und wesentlicher zu sehen. Die großen Gefühle sind bei Eickhoff im permanenten Piano- und Geigenfluss. Man sollte an ihnen aber schon Anteil haben, um mit hören zu können.

 www.ka-eickhoff.net

 

Und hier noch weitere Meinungen zum Album von Redakteuren des Ein Achtel Lorbeerblatts:

Silke Aydin (Lektorin): Pianoballaden mit poetischen Texten und sanfter Stimme. Jedes Lied einzeln für sich betrachtet ein Genuss – auf Albumlänge dann aber doch etwas anstrengend weil fast ausschließlich die Liebe besungen wird. Zwar verschiedene mögliche Liebesstimmungen, aber doch eben ein Themenalbum. Da muss man dann schon selber auch in der passenden Hör-Stimmung sein. / 6 von 10 Punkten

Bernd Pakosch (Musiker): Ein sehr schön produziertes Album, Lieder am Klavier, mit samtweicher Stimme vorgetragen, schön arrangiert mit Cello und Akkordeon, aber auf Dauer doch eher ermüdend. Er bleibt mit seinen Texten sehr allgemein, philosophisch an der Oberfläche und es lässt sich nie so recht erkennen, ob er seine Lieder nun an eine Frau oder einen Mann richtet? Ich denke ja eher, an einen Mann (denn was bitte sollte ein Hetero-Mann mit einem Gemüseschäler anfangen?)… Aber das wiederum fragen sich auch nur Insider, oder?  Wenn dazu aber noch eine Gott-Danksagung kommt, weiß ich leider auch nicht weiter… Mir fehlen ganz einfach die wirklichen, manchmal auch kleinen, aber ehrlichen Geschichten aus dem Leben. / 4 von 10 Punkten

 

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