Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: milou & flint – orange bis blau

orange bis blau milou u flint

Die aktuellen Songs von milou & flint – und viele weitere Neuerscheinungen und Klassiker – hören Sie im Lorbeerfunk, unserem Radiosender rund um Liedermacher & Chansonniers. Zum EAL-Radio HIER entlang.

von Lena Lehmann

Die ersten wirklich heißen Tage des Jahres kündigten ihn in den letzten Wochen schon an, und hier ist er nun: der Sommer! Und was passt besser zum Sommer als eine Scheibe voll mit verspieltem Singer-/Songwriter-Folk, luftig leichtem Pop und beschwingtem Chanson? Was kann schöner sein als der Klang von Toy Piano und Vibraphon, Akkordeon und Glockenspiel, Gitarre und Klavier? Vielleicht ein Kazoo? Seit 15. Mai jedenfalls gibt es genau diese Scheibe, mit zwölf Liedern so erfrischend wie Schwimmen im See und ein Erdbeereis. Sie heißt „orange bis blau“. Sie ist von „milou & flint“. Und es ist ihr gemeinsames Debüt.

Barbara Milou und Christoph van Hal trafen sich 2012 in Hamburg. Sie, die Straßenmusikerin, spielte mit Akkordeon und einem Keyboard bewaffnet ihre Lieder. Er, u. a. Live-Musiker bei Bands wie Wir sind Helden und Marquess, kam zufällig dort vorbei, hörte ihr zu und sprach sie an. So begann der gemeinsame musikalische Weg von milou & flint. Bei ihrer Arbeit an diesem ersten Album wurden die beiden Wahlhannoveraner von Freunden unterstützt, deren Namen dem einen oder anderen Insider bekannt vorkommen dürften: Neben van Hal selbst ist Jean-Michel Tourette als Gitarrist im Lied „Schnee auf deiner Haut“ zu hören, und Christian Decker, der ehemals bei Fury In The Slaughterhouse spielte, unterstützte milou & flint in zwei Liedern am Bass und produzierte außerdem auch das Album. Nicht zuletzt sollte vielleicht auch Sascha Pierro erwähnt werden, der Sänger der Band Marquess, der die Fotos für das Artwork des Albums machte. Prominente Unterstützung erfährt das Duo außerdem von Matthias Brodowy, der ein erklärter Fan ist und auf diversen Plattformen die Werbetrommel für milou & flint rührt.

Musikalisch hörbar beeinflusst von Duos wie Simon & Garfunkel oder Belle & Sebastian, schaffen milou & flint mit „orange bis blau“ ihren ganz eigenen Sound. Das gelingt ihnen vor allem durch die unglaubliche Vielfalt der eingesetzten Instrumente und sogar Alltagsgeräusche (z. B. das Rascheln von Plastiktüten). Dazu gesellen sich Milous unglaublich natürlicher und klarer Gesang und ihr unverwechselbares Timbre. Flints etwas rauerer Gesang harmoniert perfekt mit Milous Stimme. Diese Mischung und die herrlich harmonische Zweistimmigkeit machen ihre Lieder einzigartig. Das Erstaunlichste ist wohl, dass die beiden Multiinstrumentalisten das Meiste tatsächlich selbst einspielten und auch live mit gerade einmal einem weiteren Musiker, nämlich Rocky Österreich, auskommen.

Textlich drehen sich die meisten Lieder um Zwischenmenschliches – um Liebe, Freundschaft, aber auch um Verlust, wie in „Amélie für dich“. Man findet keine großen Gesten, keinen Kitsch, alles ist sehr natürlich, auf Plakatives wird vollständig verzichtet. Dennoch wirken die Texte in ihrer Natürlichkeit sehr poetisch und haben viel Tiefgang. Musikalisch ist „orange bis blau“ durchgängig außerordentlich harmonisch und geschmackvoll arrangiert und nebenbei gesagt auch sehr gut produziert. Und genau hier ist auch der einzige Kritikpunkt angesiedelt: In seiner Gesamtheit wirkt dieses Album beinah schon zu perfekt, zu harmonisch – man wünscht sich gelegentlich ein Ausbrechen aus dieser Wohlfühlzone und damit etwas mehr Persönlichkeit und Emotionalität. Denn in all ihrer Schönheit, Leichtigkeit und Wärme wirken die Lieder von milou & flint doch immer etwas distanziert und unaufgeregt, es fehlt ein klein wenig an Dynamik und Intimität.

Nichtsdestotrotz legen milou & flint mit ihrem Debüt die Messlatte sehr hoch. Detailverliebt, absolut stimmig und herrlich leicht kommen ihre Lieder daher und werden uns hoffentlich auch noch weit über den Sommer hinaus begleiten um uns in kalten Winternächten an Sonne, Schwimmen im See und Erdbeereis erinnern.

www.milou-flint.de

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 19. Juni 2015 von in 2015, M-P, milou & flint, Plattenbesprechungen, Uncategorized und getaggt mit , , , , , .
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