Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Simon & Jan – Ach Mensch

Simon-Jan-Ach-Mensch_EPK

von Rike Krüger

Das Liedermacherduo Simon & Jan – Simon Eickhoff und Jan Traphan – ist bereits seit eineinhalb Jahren mit dem Bühnenprogramm „Ach Mensch“ unterwegs. Live begleiten sie alle Lieder mit 2 Akustikgitarren und setzen zeitweise sehr gekonnt eine Loop-Station ein. Am 26. Juni erscheint nun das gleichnamige Studioalbum, in dem auch diverse andere Instrumente und Gastmusiker zu hören sind. So können auch Hörer, denen die Liveversionen bereits bekannt sind, manch klangliche Überraschung erleben.

Ach Mensch“ – auf ihrer Homepage nennen Simon & Jan dieses Programm „eine liebevoll misanthropische Revue über das einzige Lebewesen, das wirklich eine Wahl hat, sich dann aber doch immer wieder zielgerichtet für das Falsche entscheidet.“ Und so lassen sie auch auf dem Album hören, wie sie ihre Artgenossen erleben. – Mal bitterböse, mal nur komisch und oft auch durchaus politisch.

Zimperlich sind sie nicht – so nehmen sich Simon & Jan in „Geld“ den „jungen hippen Schauspielerverein“ um Moritz Bleibtreu, Jürgen Vogel und Christian Ulmen wegen der Werbung für McDonalds mit altbekanntem Wortwitz vor:
„Bio-Apfeltüte bei McDonalds das ist so / Wie Veilchenduft mit einem Hauch Vanille auf dem Klo / Und sollte es auch sein, dass der Vergleich ein wenig hinkt, / Wenigstens wird deutlich dass die ganze Sache stinkt. / Was hat dich dazu gebracht früher warst du mal mein Held / Geld Geld Geld. Und in „Bleib bei deinen Leisten“ fordern sie diverse Prominente auf, ihren erlernten Beruf auszuüben „Bleib bei deinen Leisten / es danken dir die meisten / du hast doch mal was Richtiges gelernt / Ob Maler oder Zimmermann / sowas braucht man immer man / warum hast du dich bloß davon entfernt“. Hier gewinnt die Studioversion musikalisch durch die dazu gekommenen Streicher an Tiefe. Doch auch den nicht prominenten Mitmenschen halten sie den Spiegel vor. Wie in „Karnickelkotzen oder in „Die Erde dreht sich“, bei dem zusätzlich zur Loop-Station mehrere Bläser die Melodie wunderbar abrunden.

Endzeitstimmung entsteht bei „Apokalypse“. Dieses Lied ist auf der Bühne schon eindrucksvoll, wenn Simon & Jan ihre sonst häufig leise und melodiöse Gitarrenbegleitung so steigern, dass die Akustikgitarren wohl alles an Lautstärke hergeben, was rauszuholen ist und dazu noch die Loop-Station äußerst gekonnt einsetzen. Da greift Simon Eickhoff auch mal zum Bogen und streicht die Gitarrensaiten – mit erstaunlichem Ergebnis. In der Studioversion lassen sie es dann gleich nochmal mehr krachen. Reich instrumentiert wirkt die Apokalypse noch bedrohlicher. Doch Simon & Jan verlieren trotz aller Düsternis nicht den Humor bei Passagen wie „Und der letzte Indianer / Sagt dass man Geld nicht essen kann / Was sagt der Durchschnittsamerikaner /Yes we can“ oder „Du sitzt da auf der Stelle ja was guckst du / Siehst die Riesenwelle und dann schluckst du / Und du stehst vor dem letzten Gericht / Nein ich mag meine Suppe nicht / Doch die löffelst du jetzt aus“.

Das umstrittenste Lied des Albums ist wohl „Ach Mensch“, in dem diverse Religionen kritisch beleuchtet werden. Und das musikalisch so einprägsam, dass die Rezensentin tagelang unliebsame Ohrwürmer bekämpfen musste. Andere Stellen als ausgerechnet „Und ja in Gottes Namen ich habe Messdiener gefickt“ wären ihr lieber gewesen. Dann doch lieber „Hobby ohne Lobby“ – eine grandiose Zusammenstellung menschlicher Abstrusitäten.

Fast schon seicht wirken dagegen „Meine Mama“ oder „Titten und Ärsche“. Aber auch solche Stücke haben durchaus ihre Berechtigung und lassen erkennen, dass sich Simon & Jan auch in der Liedermaching-Szene zu Hause fühlen. In den Konzerten gelingt es ihnen auf so mancher Kleinkunstbühne tatsächlich, auch ein weitaus älteres Publikum als sie es selber sind dazu zu bringen, den Refrain aus voller Kehle mitzusingen. In der Studioversion tut dies ein eindrucksvoller Chor.

Mein Fazit: das Studioalbum „Ach Mensch“ ist  wunderbar geeignet, die musikalische Welt von Simon & Jan zu entdecken. Und  für die Besucher ihrer Konzerte ist es nicht nur eine schöne Erinnerung an das Konzert, sondern durch die andere Instrumentierung auch eine Entdeckungsreise zu ungewohnten Klängen.

Das Album ist als reine Studio-CD überall im Handel erhältlich. Die limitierte Edition mit einer zusätzlichen DVD, die 9 Lieder vom Live-Konzert zeigt, gibt es leider nur auf ihren Konzerten.

www.simonundjan.de

Ein Kommentar zu “Rezension: Simon & Jan – Ach Mensch

  1. roterbaer
    23. Juni 2015

    Zitat:
    „Die limitierte Edition mit einer zusätzlichen DVD, die 9 Lieder vom Live-Konzert zeigt, gibt es leider nur auf ihren Konzerten.“

    Wieso eigentlich leider? Wenn sie sogar bis Pirna kommen (weil in Dresden kein Auftrittsort zu bekommen ist!), also sogar der letzte „Weltkulturerbedestrukteur“ das Konzert nur böswillig an sich vorbei ziehen lassen kann, ist die Erwerbshürde doch denkbar niedrig angelegt. ;-)
    Den Fotobeweis eines signierten Exemplares vom letzten Wochenende kann ich hier leider nicht führen…

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 23. Juni 2015 von in Liedermacher, Q-T, Simon & Jan, Uncategorized und getaggt mit , , , , , , .
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