Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Rezension: Karin Rabhansl – Anna

anna-cover-karin rabhansl

von Bernd Pakosch

Nun liegt es also vor, das dritte Werk der Frontfrau, Sängerin und Songschreiberin Karin Rabhansl. Sie hat um sich eine Band aufgestellt, die ihr die Möglichkeit gibt, sich in allen musikalischen Richtungen auszudrücken und auch auszuprobieren, was ihr hörbar Freude macht.

Karin Rabhansl kommt aus dem Süden Deutschlands, aus der Umgebung von Passau. Deshalb singt sie den Großteil ihrer zumeist frechen und schräg gebürsteten Texte in Bayerischer Mundart.

Gleich das erste Lied „War des ois“ erzählt vom schwarzen Schaf einer Familie, das Probleme hat sich anzupassen. Es bekommt immer gesagt, dass aus ihm eh nie etwas Gescheites wird. Trotzdem bleibt es stets neugierig und offen für das Leben und fragt: „War das alles, oder kommt noch mehr?“

„Mia brenn ma“ beginnt schön rockig mit einem stampfenden Gitarrenriff und auch textlich geht es jung und geil, ohne Rücksicht auf Verluste zur Sache. Das Lied beschreibt eine Generation, die für jeden Scheiß brennt, aber ihre unstillbare Gier nie befriedigen kann und beim Hunger auf immer mehr allmählich ausbrennt.

„Das Monster Berlin frisst dich auf…“ heißt es im nächsten Lied. Es beschreibt den Neuanfang in einer fremden Stadt aus Beton und Rost, die Einsamkeit vor der Glotze und entlässt mich mit einem ähnlich melancholischen Gefühl wie Tamaras „Alles wird besser, aber nichts wird gut.“ Da bleibt mir nur, viel Glück zu wünschen.

„Darenn de ned“ ist mein absoluter Liebling dieser Produktion! Es beginnt mit einem schönen alten Weckerticken, ruhigen Gitarrenakkorden und einer gelassenen Gesangsspur. Und ich lasse mich gern davon anstecken: „Lass mal gut sein, wir haben alle Zeit der Welt.“ Daran kann letztlich auch das Pink Floyd-Zitat der vielen Uhren nichts ändern. Das Wichtigste ist und bleibt dein eigenes Leben.

„Jung sa“ ist so ein Lied wie „Sie ist vierzig“ von Udo Lindenberg und erzählt vom Ausbruch und vom Wunsch noch einmal jung zu sein. Ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich so gut wäre, wieder jung zu sein und alle Fehler noch einmal zu durchleben. Lasst uns lieber neue Fehler und Erfahrungen machen!

Beim achten Lied „Losst`s me geh“ – ich bin so frei zwei Nummern zu überspringen – verstehe ich fast nur „… blöde Kuh… ich mag nicht kuschen…“, aber musikalisch ist rockiger Spaß im Sinne von Roxettes „The Look“ angesagt, und das geht so richtig ab!

„Das Wetter wär so schön“ – ein Miesepetertext über einen Zeitgenossen, der nur das Negative sieht und darüber alle Lebensfreude verliert. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, was dieser Text mit Frau Rabhansl zu tun haben könnte.

Ich hab‘s ja immer gewusst. Sex wird völlig überbewertet! „Mogst schmusn…“. Wir sind im Gute-Laune-Reggae angekommen. Klar, wir könnten nach Hause gehen, aber wir können auch noch feiern, singen und trinken.

Die folgenden beiden Lieder überspringe ich, auch weil ich mit dem Blues über einen Volldeppen nicht viel anfangen kann. Viel lieber höre ich das letzte Lied noch einmal – jetzt bereits zum dritten Mal: „Letzte Chance“. Hier begegnet uns, vom Klavier begleitet, ein unverdorbener Mensch, ein Menschenkind mit einem großen offenen Herzen, das in dieser berechnenden, bestechlichen und auch verrohten Welt unbeirrt seinen Weg geht und sicher auch seine Liebe finden wird.

Ich kann mir Frau Rabhansl auch sehr gut nur mit Gitarre oder Klavier vorstellen, denn in jedem Widerborst steckt auch ein weiches Herz. Das höre ich besonders bei „Darenn de ned“ und es begegnet mir auch im letzten Lied.

Eine Frage bleibt aber offen: Wer ist eigentlich Anna?

www.karinrabhansl.de

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 24. Juni 2015 von in 2015, Neu & aufgefallen, Plattenbesprechungen, Uncategorized und getaggt mit , , , , , , .
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