Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Rezension: Sarah Lesch – Von Musen & Matrosen (VÖ: 25.09.)

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von Markus Brendel

Das zweite Album der Tübinger Liedermacherin Sarah Lesch, auch unter dem Namen Chansonedde bekannt, wurde Anfang des Jahres über ein Crowdfunding finanziert. Ich selbst kannte die Künstlerin bis dato nur durch einige Youtube-Videos, die mich sehr begeistert hatten, so dass ich mich entschied mitzumachen und Unterstützer des Projektes zu werden. Gottseidank war die Aktion sehr erfolgreich, denn sonst hätte die Welt eine wunderbare CD verpasst!

Das „Intro“ lädt ein, sich gemütlich hinzusetzen, um zu hören was noch kommt: „Der Wolf“ erzählt vom Loslassen in Beziehungen, denn es gibt nun mal Menschen/Wölfe, die man nicht halten kann, weil sie sonst eingehen („wahre Liebe lässt geh´n“).

Danach schauen wir „Nachts in schmutzigen Küchen“ – zwischen Bier, Rauch, Liebeskummer und Käsetoast lebt es sich sehr „chansonedd“! Mein persönliches Lieblingslied „Nichts“ ist ein Liebestrip von Frischverliebten, wie wir ihn alle gern hätten, „und wir brauchen nichts grade, außer ein bisschen Luft und Liebe!“

Der Tango „Komm Steine werfen“ beschreibt treffend die Situation, wenn man eigentlich alles hat, was man zum Leben braucht – nur der richtige Partner leider fehlt („Ich brauch‘ nicht viel, kein Wort, kein Gewicht, nur dein Atmen in meinem Gesicht“).

Das Stück „Friedensfrikadelle“, einer der Youtube-Hits von Sarah Lesch, ist ein Lagerfeuerlied der besonderen Art: Philosophie, Bier, Beatles und Friedensfrikadellen und vor lauter Gequatsche über Political Correctness und so kommt man leider nicht zum Küssen!

Die „Notiz“ stellt den melancholisch-ehrlichen Versuch dar sich einzureden, dass man ja überhaupt nicht mehr an den Anderen denkt („hab mich den ganzen Tag beim nicht an dich Denken beobachtet“).

Und auch bei „Matrose“ melancholische Poesie – die Erklärung für das Ende einer Beziehung: „Einer ist immer der Matrose, wenn zwei Herzen zu Ende sind. Einer geht, ohne sich umzudrehn und hinter ihm pfeift der Wind.“ Das Lied kommt aber trotz der Schwere der Thematik leicht und ohne Vorwurf daher.

Wir halten uns“ ist eine Kritik an der Gesellschaft und ihren Menschen, die es sich in ihren Beziehungskisten bequem gemacht haben und nicht mehr nach draußen über den Tellerrand schauen, geschweige denn schauen, was man selbst eigentlich will und braucht! „Wir halten uns alle nur warm, aber wenigstens halten wir uns“… “und wo ist eigentlich die Auflehnung, wenn man sie mal braucht? Die ist in der Schule und lernt wie man still sitzt!“

Und das „Testament“ der Chansonedde erscheint mir so weise, als wäre Sarah Lesch schon uralt und nicht eine junge Mutter. Sie erklärt, was wir so tun – und was aber eigentlich wichtig wäre zu tun („Geht ihr nur malochen für erfundene Zahlen und wartet bis die Burnouts kommen… und alle finden‘s scheiße, aber alle machen sie mit!“) – und als Hinterlassenschaft bietet sie uns „… ein Kind, das sich selber gehört, und dieses unhandliche Lied…“

So könnte ich weiter und weiter schreiben, aber es soll ja auch noch was selbst zu entdecken bleiben beim Hören der CD. Denn das kann ich jedem nur empfehlen, der „ein Stück Musik von Hand gemacht, noch von einem richtigen Menschen mit dem Kopf erdacht“ (Reinhard Mey) zu schätzen weiß.

Auf ihrer Homepage wird Sarah Lesch als eine Liedermacherin beschrieben, „die verbal hinlangen kann, die personifizierte Verzauberung mitsamt integriertem bösen Erwachen“ und weiter heißt es dort: „… spielt sie doch nicht nur auf der Ukulele oder Gitarre – sondern vor allem auch auf der Klaviatur ihrer Zuhörer.“ Das trifft es sehr genau, finde ich!

Musikalisch unterstützt wird Sarah von
Dirk Amon (Kontrabass)
Henry Schwegler (Gitarre, E-Gitarre, Gesang, Maultrommel, Mundharmonika)
Maximilian Welz (E-Bass)
Benjamin Alejandro (Schlagzeug)
Sören Büchert (Percussions, Leergut)
Gisela Wirtz (Cello)
Eva Welz (Saxophon)
Bernhard Mohl (Geige)
Lea Ray (Geige, Orgel)
Vincent Barta (Akkordeon)

Die zahlreichen Instrumente sind sehr gut arrangiert und drängen sich nie in den Vordergrund. Alle Lieder sind, denke ich, im Ursprung wieder „Lieder aus der schmutzigen Küche“ der Chansonedde!

www.sarahlesch.wordpress.com

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