Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Turiseder Troubadorum: Duo Hand in Hand gewinnt beim Musikpreis!

Foto: Amac Garbe (www.ein-satz-zentrale.de)

ein Bericht von Maxi Gaudlitz:

 

„Sinnfällig, hinfällig – völlig hin und weg“

Das Ohrakel hat gesprochen – die Sieger sind gekürt!, so schallte es am Sonntag, den 06. September 2015 um 17.00 Uhr durch die Tunnel, über die Hügel und Neißeauen der Kulturinsel Einsiedel hinweg. Nach drei Tagen, acht Bardenden und einer Unmenge von Stunden voller Tanz, Klang und Poesie konnten die von den hitzigen Diskussionen noch immer mental-schwitzenden TuriJurOhren Rolf Limbach (Conträr Musik Verlag), Anne Rodewald (Künstler- und Festivalmanagement) und Maxi Gaudlitz (EAL & LBL) den Namen des 1. Troubardisten den vor Spannung (oder Kälte) bibbernden Folklorumsbesuchern verkünden.  

Neuste Erkenntnisse der Turisedeforschung hatten zuvor ergeben, dass der musikalische Wettstreit von Klangbrigaden einen zentralen Bestandteil der alten Turisedischen Festspiele vor 1000 Jahren darstellte. So wurden nun Bardinnen und Barden von Fern und Nah geladen, um am östlichsten Punkt Deutschlands in kindlicher Freude um den Sieg im 1. Turiseder Troubadorum der Neuzeit zu kämpfen. In Klang & Wort kamen sie, sich zu messen, sich zu präsentieren vor den wohl schärfsten Kritikern Turisedes – der dreiköpfigen Jury zum einen, aber vor allem: vor dem tanzenden, feierlustigen Volke des Folklorums selbst.

Wie in jedem guten Wettkampf sollte es am Ende zu einem Rennen Kopf an Kopf kommen. Geteilter Preis ist halber Preis? Aber nein: die robiniesque Trophäe, in deren Oberfläche die Namen der Siegreichen jährlich eingraviert werden, wurde nicht zersägt. Dennoch wurden das Duo Hand in Hand und die Band Atilla & Friends von der gleichermaßen begeisterten Jury beide als 1. Troubardisten der Neuzeit gekrönt. Wiederkommen sollen sie beide, haben sie sich doch das kindliche Herz in erwachsenen Hüllen bewahrt, ganz im Geiste Turisedes.

Ein Opener bei einem Festival hat es immer schwer. Da sind die Hände der Zuschauer noch nicht bereit, den vollen Applaus zu spenden, man ist abwartend und überlegt, ob man sich das überhaupt reinziehen will. Und da kamen sie: Das Duo Hand in Hand, welches die schwere Aufgabe des ersten Auftritts hatte, und sie gewannen im Flug die Herzen von Juroren und Audienz. Schon mit dem ersten Song s(ch)wingt die Bühne und das Publikum sich an den Händen haltend über die Tanzfläche. Ja, schon mit dem ersten Ton ist klar: das ist keine betroffenheitstriefende Mainstream-Liedermachermucke, keine schenkelklopfende Comedysülze – das ist Kleinkunst vom Feinsten! Mit poetischer Schelmerei, humoresquem Un- und philosophischem (Tief)Sinn gingen ein künstlerisch multi-instrumentales Wechselspiel von Schlagzeug, Klavier und Glockenspiel, von sanften und positiv-schrägen Klängen… Hand in Hand. Voll spielerischer Freude und Liebe zum Detail in Lyrik, Klang und Inszenierung konnten sie überzeugen.

„Professionell“, „anders“ und „erfrischend frech“, so das Urteil der kritisch lauschenden TuriJurOhren Rolf, Anne und Maxi, welche anhand der Kriterien Spielfreude, musikalisches Gesamtkonzept und dichterische Kohäsion werteten. Auf dem Festival, auf dem alljährlich in drei Tagen circa 15.000 Gäste mit den verschiedensten Musikgeschmäckern flanieren, schaffte es das Frauenduo – bestehend aus Beate Wein und Annett Lipske – die Schritte zu verlangsamen, die und die Menschen zu bannen.

Eine von der Jury aufgetragene Aufgabe (und ein ebenso zentraler Punkt in der Wertung) war das Verfassen eines Limericks – der Limerick als solcher eine turisedische Dichtform – und beinah schien es so, als wären diese beiden wahre Turisederinnen, präsentierten sie ihre gelungene Reimerei auch noch in einem besonderen und besonders passenden Format: eingebettet in Piano-Melodien und aufgeregte Schlagzeug-Vibration, machten sie den alten Turisedern alle Ehre und dem Publikum jede Menge gute Laune.

Auf der Fahrt auf der Suche nach nem Limerick
Fiel uns ein, wir sind unbeschreiblich schön verrückt
Annett und Beate
Mögen’s zart aber harte
Wir machen Musik, wie’s uns gefällt zum Glück

(Ich denke, das Duo würde d’accord damit gehen, wenn ich dem Lesenden an dieser Stelle den gedanklichen Freiraum erkläre: jeder solle diese Verse auf eine Melodie seiner Wahl summen.)

Tatsächlich: Ganz schön verrückt, diese beiden. Und doch hat alles Hand und Fuß, was sie fabrizieren. Frech und direkt, jazzig, swingend bis elektrisierend treffen sie den groovenden Nerv des Publikums. Keine Duckmäuschen. Nicht der Euphemismus in Person. Sondern: wort-, sinn- und klangjonglierend. Schlichtweg erfrischend anders und ermunternd ehrlich. Ein harmonisch schräges Gesamtkonzept tiefgreifender Poesie und barfußbarbossarischen bis firlefunkelnden und die Menschen-zum-Swingen-in-Straße-bringenden Klängen. Das Publikum geht ba(r)den – in einem Meer aus Wort & Klang.

Die beiden singen über sang- und klanglose Befreiung, über von wildem Wein umwachsene Liebe, über pups-gefangene Muttersehnsucht, den alltäglichen Wahnsinn und das in den Ohren klingende Leben. Sie beeindrucken vom ersten bis zum letzten Ton – von Sprechgesang bis hin zu gehauchten Lettern, von „Back to Dreck“ bis „Schaukelstuhl“, zart streichelnd bis rockend – ja, sie „mögen’s zart aber harte“. Die Texte: intelligent und witzig, heiter bis bissig, pointiert und eloquent. Das alles verpackt in groovende Melodien, die – wie leider viel zu selten bei deutscher Musik – keinen Fuß, kein Bein still stehen ließen.

So viel positive Energie, so viel Spielfreude – das beeindruckte das Publikum vor der FolklorumsBühne. Ihr Applaus sollten tanzende Ovationen und wippende Hüften sein, gefolgt von tosendem Händeklatschen. Viel zu schnell ging der Auftritt zu Ende und hinterließ ein begeistertes Publikum. Juror Rolf Limbach urteilt: „Hand in Hand ist ein sicherer Kandidat für den Deutschen Kleinkunstpreis!“

Das Duo sang: „Wenn sie singt, höre ich das Leben. Wenn sie singt, öffnet sich das Herz.“ Wollen wir diese Songzeile beherzt in den Plural setzen und sagen: Chapeau, liebes Duo, Chapeau – für diesen Auftritt!
Einstimmig fiel die Entscheidung für die Zweistimmigkeit des Duos aus – die Jury wie das Publikum einhellig von der Andersartigkeit ge- und entfesselt. Man kann es nicht anders sagen: ein wahrer Live-Genuss!

„Sinnfällig, hinfällig, völlig hin und weg…“, sangen sie – und wir waren es am Ende.

www.duohandinhand.de

 

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