Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Nachruf: Dieter Wiesmann

Dieter Wiessmann

von Markus Heiniger

Der Schweizer Liedermacher Dieter Wiesmann ist am 23. September 2015, nach langer Krankheit, im Alter von 76 Jahren gestorben. Am Dienstag darauf wurde der Schaffhauser beerdigt. Der Apotheker schrieb seine Lieder nebenberuflich und veröffentlichte in der zweiten Hälfte des 20. Jhdts. insgesamt elf Alben. Sein wohl berühmtestes widmete der kinderlose Texter und Musiker seinem Patensohn Matthias. Und so hiess auch gleich das Album: „Matthias“.

Einige seiner Lieder sind in der Schweiz längst zu Klassikern geworden. Unter den Kinderliedern ist es allen voran der „Tausendfüssler Balthasar“. Es hat, wie eigentlich alle Wiesmann-Lieder, etwas Zeitloses und ist, wie auch das Lied der sich stets verfärbenden kleinen Wolke Hurrliputz von feinem Humor geprägt. Weshalb sie so rot sei, will der Liedermacher von der Wolke wissen. Fast entschuldigend erklärt die Wolke, sie sei bei Sonnenuntergang im Meer baden gegangen. Was vordergründig einfach niedlich wirkt, zeigt den Kindern in lieber und doch in fast schon subversiver Weise auf, wie bunt sich das Leben gestaltet, ist man nur verwegen und abenteuerlustig genug. Vermeintlich niedlich kommt auch unser Balthasar daher. Aber bald schon macht das Lied uns auf humoristische Weise klar, wie komplex und kompliziert das Leben mit tausend Füssen ist.

Zwei Jahre war besagter „Matthias“ alt, als Dieter Wiesmann ihm die LP „Matthias“ widmete. Heute, als Erwachsener, sagt der Patensohn auf Schweizer Radio SRF, Wiesmann habe einen sehr warmherzigen und humorvollen Umgang mit Kindern gehabt und er, Matthias eine entsprechend gute und schöne Beziehung zu seinem „Götti“ (Paten). Und was das für ein Pate war, sei ihm, dem langsam älter werdenden Kind erst klar geworden, als er hin und wieder gefragt wurde: „Ja, sag mal, bist du der Matthias?“

Dieter Wiesmanns aller bekanntestes Chanson heisst aber „Bloss e chlini Stadt“ (Bloss eine kleine Stadt). Es ist kein Kinderlied und Wiesmann hat es seinem geliebten Schaffhausen gewidmet. Die kleine Stadt liegt ganz im Norden der Schweiz, nahe des Bodensees, gleich neben Neuhausen, der Gemeinde, in der der Rheinfall tost. „Blos e chlini Stadt“ läuft heute noch im Radio und ist in fast jedem Lager-Liederbuch zu finden. Es ist eine Liebeserklärung an den Charme einer in mancher Hinsicht eher unwichtigen Kleinstadt, wie nur Dieter Wiesmann sie schreiben und singen konnte.

In einem Interview, das Wiesmann im Schweizer Radio SRF vor etwa drei Jahren gegeben hat, äusserte er sich erfreut darüber, dass es ihm geglückt ist, kreative Werke zu schaffen, die ihn selber mit grösster Wahrscheinlichkeit überdauern dürften, auch wenn er es gleichzeitig bedauerte, dass es sich dabei kaum um die sehr nachdenklichen und oft auch durchaus gefühlsbetonten Lieder handeln dürfte, welche er ebenfalls geschrieben hat. Denn, so Dieter Wiesmann, die Gefühle würden nach wie vor unterschätzt. Sie seien für uns Menschen aber mindestens ebenso wichtig wie alles analytische Denken.

Chliini Wulche Hurrliputz: HIER klicken

Bloss e chlini Stadt: HIER klicken

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Da es kein freigegebenes Pressefoto gibt, mussten wir leider auf ein CD-Cover mit seinem Portait zurückgreifen – wir bitten um Verständnis.
Foto auf der Startseite: (co) Masha Potempa

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