Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Frank Viehweg – Unser einziges Leben

Unser einziges Leben_Cover-b6718434

von Bernd Pakosch

Er selbst bezeichnet sich als Dichtersänger. Mir ist diese Bezeichnung sehr lieb. Drückt sie doch mehr aus als, Liedermacher. „Machen“ ist eine zu ungenaue Bezeichnung für „etwas tun“. Viehweg tut schon sehr lange. Er ist Jahrgang 60, in der DDR aufgewachsen und hat schon einiges an politischen Umbrüchen miterlebt. „Nicht meine Zeit“ Das zweite Lied dieses Albums zeigt deutlich wo er steht. Es zeigt die Missstände dieser Gesellschaft auf – für mich zu viele für ein Lied – hat aber leider auch keine Lösungen parat. Wie und wo er sich dabei selbst sieht, macht mich etwas traurig. „… im Grunde bin ich hier nur noch, weil es dich gibt. Die Lebenslust gerät mir mehr und mehr zur Posse. Ich bin nur noch allein der eine, der dich liebt.

Aber am Anfang dieses Albums steht „Gerettet“. Ein zufälliges Lächeln, eine Begegnung, ein unbewusster Hoffnungsschimmer – plötzlich und unerwartet. Eine freundliche Geste für eine verpasste Gelegenheit. Frank Viehweg arbeitet mit einfachen Mitteln. Lässt unnötige Verzierungen weg und vertraut auf die Gitarre und seine Stimme. Er besteht auf Tradition. Noch sind ihm Treue und Vertrauen wichtige Begriffe. Bei alledem hält er aber nicht fest oder will besitzen. So heißt es in „Mehr als eine Liebe“ „… die Zeit um eine Liebe auszuschlagen, ist für uns beide nicht mehr vorgesehen.“

Für die meist melancholischen und nachdenklichen Lieder dieses Albums hat sich Frank Viehweg Freunde hinzugeholt. Dirk Müller begleitet am Akkordeon in „Unser einziges Leben“ den anklagenden Text, als würde er an der Seine spazieren gehen. Mit „Neues Liebeslied für …“ betritt Frank Viehweg revolutionären Boden. Es handelt von freier Liebe, ohne Besitzanspruch, ohne Geschäftsbedingungen und ohne Schuldgefühle. Diese Gedanken könnten der ganzen Gesellschaft nutzen, wären wir nur zu deren Umsetzung in der Lage: Freie Menschen, mit freien Gefühlen und ohne Angst.

Einzug ins Paradies“ Der Ruf nach Freiheit wurde 1989 leider viel zu schnell vom Ruf nach der D-Mark abgelöst, so dass keine Zeit blieb für einen anderen, für einen neuen Weg. Auch ich war neugierig auf ein neues und unbekanntes Haus und hätte gern selbst ausgewählt, was ich aus der alten Wohnung behalten möchte. Hoffnungen und unerfüllte Wünsche bergen auch ungeahnte Energie für Veränderungen.  Zwei Lieder werde ich jetzt überspringen, da ich mit ihnen textlich nicht viel anzufangen weiß.

Das folgende Lied „Para la guerra – nada“ ist für mich eines der stärksten dieser Produktion. Auf die Musik von Marta Gómez schrieb Frank Viehweg einen neuen Text zum gleichen Thema: für den Krieg – rein gar nichts. Eine Zusammenreihung einfacher Bilder. „ … für die Liebenden die Sterne, für den Suchenden den Weg …“ Nach jeder Strophe enden die Bilder mit den Worten „für den Krieg – rein gar nichts“ . Er verleiht ihnen dadurch eine stärkere Bedeutung und lässt sie zu etwas Besonderem werden.

Für Papa“ ist eine Rückbesinnung, ein Andenken an den verstorbenen Vater. Fragen und Gespräche, für die es jetzt leider zu spät ist. Diese Auseinandersetzung mit seinem Vater stellt ihn selbst in Frage wie auch sein Land, welches er Heimat nennt. Matthias Nitsche begleitet Frank Viehweg auf dem Charango mit spitzen Tönen, die wie Nadelstiche auf die alten Wunden zielen.

Gutes Ende“ Die Sehnsucht nach dem guten Ende, wie er sie im folgenden Lied besingt, kann ich sehr gut nachempfinden. Hier zeigt sich der Träumer und Romantiker in einer immer kälter werdenden Welt. „Meine Liebste hat sich in ’nen andern verguckt und es wäre gelogen, daß es mich nicht juckt…aber mich liebt sie auch“ Auch dieses Lied befasst sich mit der freien Liebe. Das ist richtig und wichtig, weil es uns von Eifersucht, Erpressung und Vergewaltigung heilen könnte. Ich weiß wie schwer es umzusetzen ist.“

Das Lied „Die Fünf“  hat einen schönen Spannungsbogen. Es erzählt davon was die fünf Finger einer Hand alles können. Ich frage mich die ganze Zeit, wie dieses Gleichnis wohl aufgelöst wird. Am Ende finden sich seine lang vermissten Brüder wieder wie die Finger einer Hand.

Frank Viehweg ist oft in der Vergangenheit unterwegs, scheinbar in der Erinnerung gefangen. In „Alle Zeit“ singt er melancholisch von verstorbenen Dichtern, begrabenen Träumen und längst vergangenen Zeiten, um im letzten Lied seines Albums zu zeigen, wie neugierig und hungrig er trotzdem aufs Leben ist. „Die Wette gilt“ Frank Viehweg als Stehaufmännchen. Und das ist gut so!

Am 10.Okt. findet die CD-Premiere in Berlin im „Zimmer16“ statt.
Alles Gute und viel Erfolg!

www.frankviehweg.de

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: