Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Denkerskind – Zwischen den Stühlen

denkerskind zwischen den stuehlen

von Kai-Olaf Stehrenberg

Zwischen den Stühlen“ ist der perfekte Titel für die neue CD von Till Schneider alias Denkerskind. Denn so selbstverständlich ist es gar nicht, dass wir dieses Album nun in den Händen halten können. Noch vor wenigen Jahren stand Denkerskind auch selbst zwischen den Stühlen, fühlte sich musikalisch ausgebrannt, ihm fielen keine neuen Lieder mehr ein, und er gab sein Bühnenende bekannt. Eine Nachricht, die bei seinen Fans auf viel Verständnis stieß, aber sie natürlich auch ein wenig traurig stimmte.

Nun zeigt sich: Diese Entscheidung war genau die Richtige. In der Zwischenzeit hat Denkerskind wieder viel erlebt und auf dieser Reise auch wieder die innere Ruhe und Inspiration gefunden, um wieder Lieder zu schreiben. Auf einmal veröffentlichte er auf seiner Facebookseite in Rekordzeit ein Lied nach dem anderen. Er begann damit, wieder aufzutreten, und als logische Konsequenz präsentiert er uns nun mit „Zwischen den Stühlen“ sein drittes Album.

Und dass er nun wieder da ist, ist natürlich eine helle Freude. Neue Musik von Denkerskind zu hören ist für mich ein wenig wie nach Hause zu kommen. Seit Jahren haben sich unsere Wege auf diversen Songwriterveranstaltungen immer wieder gekreuzt, und immer wieder sorgte er für diese besondere Atmosphäre. Gern stellt Denkerskind vor seinen Auftritten ein paar Kerzen auf die Bühne, bevor er dann mit seinen sehr nachdenklichen Liedern beweist, dass er sich seinen Künstlernamen zu Recht ausgesucht hat. Sie bemühen sich zwar nicht um hochpoetische Textzeilen oder geschliffene Wortspielereien, aber Denkerskind schafft es durch seine direkten, aus dem Bauch geschriebene Texten immer wieder, seine Geschichten gezielt auf den Punkt zu bringen und in jedem Moment durch und durch authentisch zu sein. Was ihn darüber hinaus noch ganz besonders auszeichnet, ist seine sonore, schneidende Stimme, die so außergewöhnlich markant ist, dass man sie unter tausenden Liedermachern sofort wiedererkennt und mit der er jede seiner Botschaften noch intensiver nachhallen lässt.

Und nicht zuletzt wegen dieser Stimme funktioniert Denkerskind auch auf CD außerordentlich gut, obwohl man musikalisch nicht viel mehr als auf der Bühne geboten bekommt. Wo andere akustisch auftretende Liedermacher ihre CDs oft wesentlich breiter arrangieren, bleiben die CDs von Denkerskind minimalistisch bei Gesang und Gitarre, hin und wieder singt er mit sich selbst im Chor oder nimmt eine Mundharmonika dazu, aber das war es dann auch. Ob diese Entscheidung mangels technischer Möglichkeiten erfolgt oder voll und ganz gewollt ist, sei dahin gestellt. Fakt ist: Mehr braucht Denkerskind auch nicht. Diesem Stil ist Denkerskind auf seinem dritten Album ebenso treu geblieben wie seinen Geschichten: Das Verzweifeln an der kalten Gesellschaft und an sozialen Ungerechtigkeiten sowie das Rebellieren gegen Schablonendenken auf der einen Seite, aber auch Lieder voller Selbstzweifel, Melancholie und der Sehnsucht nach Liebe sowie der tiefen Erfüllung, wenn sie wieder da ist.

Dennoch fällt an seiner neuen CD auf, dass Denkerskind stimmungstechnisch mehr Akzente setzt als früher. Sind auch hier zwar noch bittertraurige Lieder wie „Der Brief“, typisch nachdenkliche Lieder wie „Ein ganz anderer Lauf“ oder das kritische „Entscheidungen“ enthalten, ist der Grundtenor der CD ein wenig optimistischer und versöhnlicher als seine zwei Vorgängeralben. Da kann man schon mal über das gewollt klischeehafte „Mädchen an der Kasse“ schmunzeln, in „Du und das Meer“ hochromantisch und sommerlich werden, um  in „Sommer“ dann umgekehrt das kalte Winterwetter zu verfluchen. In meinem Favorit „Bewegung“ kommt er sogar besonders melodisch und folkig daher. Und noch etwas unterscheidet sein drittes Album von seinen Vorgängern: Es gibt kein Lied, das wie ein Lückenfüller klingt. Wirklich jedes Lied hat das Zeug für den Soundtrack des Lebens. Und dafür können wir uns nur bedanken, bedankt er sich in seinem ersten Lied „Der Grund bist Du“ ja auch dafür, dass wir ihm zuhören und dass wir auch ein Grund sind, warum er nun wieder auf die Bühne geht und uns diese wundervolle CD aufgenommen hat.

Aktuell ist die CD noch nicht im Online-Handel verfügbar, sie kann aber direkt über Till Schneider erstanden werden: Schneider-till@gmx.de

www.denkerskind.de

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