Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Christian Grote – 2 is besser

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von Anne Drerup

„2 is besser“, sagt sich der Zauberer, der mit der Macht der Musik seinen eigenen Weg geht und der Generation Selfie ein Schnippchen schlägt – und das wahrlich nicht umsonst!

Auch das zweite Album des Liedermachers, Entertainers und Kabarettisten Christian Grote geht unter die Haut

Was kann noch besser sein als ein erfolgreiches erstes Album mit eigenen Liedern, die ausdrücken, was einem wirklich wichtig ist, und die die Zuhörer begeistern? Eine zweite CD, die genau dort anknüpft, und in Qualität und Intensität in nichts nachsteht! Genau dies gelingt dem Liedermacher, Enter-tainer und Kabarettisten Christian Grote zwei Jahre nach seinem Debüt („Der will nur spielen“ (2014)) vortrefflich – mit seiner neuen CD „2 is besser“, die gleich auf mehreren Ebenen hält, was sie verspricht.

„Klappe, die Zweite! Noch so viel zu sagen und zu singen!“, heißt es darum zu Beginn seiner An- und Dankesrede im CD-Cover. Doch nicht nur, dass er in seinem Titelsong davon überzeugt, dass zu zweit alles leichter geht und es Gegensätze zu einem vollständigen Ganzen bedarf – Christian Grote belegt und lebt dieses Motto, indem er sich auch für seine 15 neuen Lieder seinen Kollegen David Plüss (Piano, Keyboard, Akkordeon, Percussion, Aufnahmetechnik) ins Boot holt, für dessen Unterstützung er sich herzlich bedankt. Und er verfolgt mit seiner Botschaft noch ein zweites Ziel: „Schau hinter die Fassade. Kein Ding ist nur Schwarz oder Weiß. Erkenne die Zwischentöne. (…) Machen wir uns die Mühe, bei unserem Gegenüber über das vordergründig Oberflächliche hinweg auch das tiefere Innere zu entdecken.“

Ein Zugang dazu kann das Musikmachen oder die „Macht Musik“ sein – das Wortspiel stammt aus dem Lied – denn die Musik ist laut Grote ein Heilmittel wie auch eine universale „Sprache“. Mit seinem typischen Charme schafft er eine harmonische Stimmung und verbindet in diesem Lied viele verschiedene Stilrichtungen, wie Oper, Rap, Ballade,Walzer oder auch Countrymusik, was schließlich in einem kraftvollen Finale mündet: „Macht Musik, treibt die dunklen Worte fort! Macht Musik, erteilt der Harmonie das Wort! Macht Musik, und verbreitet es an jedem Ort!Und vertraut der Macht Musik.“

Als Introstück für das neue Album hat er jedoch das humor- und stimmungsvolle „Willkommen auf der Erde“ in eigener Gitarrenbegleitung gewählt, ein Lied, das bereits Grundtenor und einige Themen der gesamten CD enthält: das Wertschätzen des Hier und Jetzt, die Dankbarkeit für das Wunder des Lebens, der Errungenschaften der heutigen Zeit, aber auch der Blick auf die Fragilität dieser Welt und unserer privilegierten Lebens-bedingungen, die wir für selbstverständlich nehmen. „Wir sollten unserem Hiersein mehr Beachtung schenken!“ lautet die These, und uns nicht blenden und ablenken lassen, wie es das rockige „Generation Selfie“ (…doch wir machen nichts mehr selber – außer Bilder!) gekonnt vor Augen führt. Selbst ohne ein Smartphone zum Selfieknipsen fühlt man sich an der ein oder anderen Stelle „ertappt“, wo man aus Bequemlichkeit der Bilderflut und dem „digitalen Leben“ den Vorrang vor dem Selbermachen einräumt. Grote präsentiert einen starken Text, der nach dem Lachen zum Nach- und Umdenken anregt. Noch intensiver wirkt die leise, doch gesellschaftskritisch scharfe Ballade „Die Wahrheit ist“ mit individuellen bis weltbewegenden Aspekten – gerade durch die Ruhe und damit vermeindlicher Leichtigkeit fokussiert man sich auf den Text, der es in sich hat: „Die Wahrheit ist, Freunden kann man blind vertrauen. Die Wahrheit ist, niemand wurd‘ böswillig abgehört. Die Wahrheit hätte Teile von uns beunruhigt, die Wahrheit hätte uns sonst viel zu sehr gestört…“

Doch die Wahrheit, gerade die Realität von Krieg und Flucht lässt sich auf Dauer nicht ignorieren. Mit „Wo bist du?!“ im Sprechgesang und mit afrikanisch anmutenden Rhythmen und Klängen im Intro widmet sich Christian Grote dieser brandaktuellen Thematik und beleuchtet sie aus verschiedenen Perspektiven: In der ersten Strophe das Gefühl der Angehörigen, die zwar selbst in Sicherheit sind, aber einen geliebten Menschen im Kriegs- und Krisengebiet vermissen, in der zweiten Strophe die Sichtweise der Flüchtlinge selbst auf ihrem gefährlichen Weg, worauf sich der Refrain zweistimmig anschließt, und schließlich die (fehlende) Haltung der Luxusgesellschaft der westlichen Welt in der dritten Strophe – hier zeigt sich die Vielschichtigkeit der Frage „Wo bist du?!“, denn zum Schluss ist sie ein Appell, sich auseinanderzusetzen und Stellung zu beziehen, was geschieht, kann doch nicht gleichgültig übergangen werden! Im Outro fließen die Textpassagen ineinander, bis die „Wirren des Krieges“ am deutlichsten herauszuhören – wahrlich nicht zu verstehen! – sind. Dieses starke, erschütternde Lied soll allerdings nicht allein stehen. Mit „Zauberer“, einer leisen, positiven Ballade zur Weltverbesserung zeichnet Christian Grote ein Bild von Chancen und Möglichkeiten für ein friedlicheres Miteinander, die, weil man aber eben leider kein Zauberer ist, einiger und eigener Anstrengung bedürfen. Wäre man ein Zauberer, dann würde das Geld einfach an Bedeutung verlieren, Hunger und Not gäbe es nicht mehr, dafür aber eine herzliche Willkommenskultur. Flucht wäre erst gar nicht mehr nötig, denn Waffen wären nicht mehr benutz- und Soldaten nicht mehr unterscheidbar. „Und die Welt wäre ein friedlicherer Ort – ein sehr viel friedlicherer Ort!“  – welch wunderbare Vorstellung!

Wer die schelmische Seite des Liedermachers kennt, ahnt aber schon, dass die neue CD nicht nur aus ernsten und nachdenklich stimmenden Songs besteht: „Mein eigener Weg“, das inhaltlich ein wenig an Reinhard Meys „Mein Achtel Lorbeerblatt“ erinnert, aber eine völlig andere, sehr eingängige Melodie hat, macht Mut, nicht in die Fänge von Manipulation von außen zu geraten – sei es auch noch so erfolgsversprechend. Der eigene Weg ist das einzig richtige, „nur auf unberührtem Boden kann man Spuren hinterlassen.“ Was aber natürlich nicht bedeutet, dass man keine Anspielungen auf Vorbilder machen dürfte: In „Telefon-Terror“ ist Reinhard Meys „Über den Wolken“ das Warteschleifen-Stück. Der schwungvolle Tango beleuchtet die Absurdität beim Anrufen eines Service-Telefons, bei dem man so lange hängengelassen wird, dass man schließlich, als sich ein echter Mensch meldet, gar nicht mehr den Grund seines Anrufs weiß. Als Pointe überträgt Grote diese Warteschleife schließlich auch auf den Himmel, der verschlossen bleibt, weil „der Chef gerade frei“ hat. Für ebenfalls einige Lacher sorgen „Nie umsonst“, der Titelsong “ 2 is besser“, sowie „Eine Stund mit’m Hund“ – Kenner sehen hier deutliche Parallelen zum ersten Album. Und auch zum „ABC-Perpetuum“ gibt es ein gewisses Pendant, nämlich einen Bonustrack: „Home sweet home“.

Eine zweite Leidenschaft neben der Musik beschreibt die zauberhafte Ballade „Fliegen“, natürlich nicht ohne einen gewissen Witz im Strophentext: „Haben Sie noch ein paar Waffen? Die Sicherheit ist rigoros!“ oder die Szene um den laut telefonierenden Mr. Wichtig, der alle Fluggäste nervt: „Wir alle anderen hoffen mit vereinter Kraft, auf einen Fleck auf dem Armani aus Tomatensaft, dann gleich beim Fliegen…“ Neben der angenehmen Stimme ist besonders schön, dass auch der Pioniere und Entdecker gedacht wird, die den Menschheitstraum dieser Fortbewegung überhaupt erst möglich gemacht haben. Die schönste Ballade, die sogar noch „Immer da für dich“ („Der will nur spielen“ 2014) eine Krone aufsetzt, ist allerdings „Da liebe ich dich durch“: Gefühlvoll versichert sie, dass die Liebe so stark ist, dass wirklich alle Krisen bewältigt werden können – ob ein Autounfall mit Blechschaden, Stress und Druck, Enttäuschung auf der Arbeit, oder sogar schließlich eine schlimme Diagnose: „Was immer auch das Leben dir für Stolperfallen stellt – da liebe ich dich durch. Wie oft dein Traumschiff auch noch in Piratenhände fällt, keine Angst, da liebe ich dich durch.“

Sehr persönlich und anrührend ist die Ballade „Trost“ mit reiner Gitarrenbegleitung, die das Sterben als Erlösung besingt, den Sterbenden beruhigt, dass alles getan ist, und ihn mit guten Wünschen begleitet – da werden die Tränen der Trauernden zum Proviant, Schmerzen und Angst verschwinden, und in Liebe eingehüllt möge nur noch Frieden um den geliebten Menschen sein. Das darauf folgende, mitreißende „Auf uns“ macht im Kontrast dazu Feierlaune und ist ein hymnisches Trinklied, das zum Mitträllern animiert: „Auf das, was wir lieben, ein dreifaches Hoch! Alle Träume und Sehnsüchte, sie leben noch! Auf den Weg, der uns hergeführt hat, Schritt für Schritt! Auf das Jetzt und Hier – und auf uns!“

Was wäre dem noch hinzuzufügen? Auf ein großartiges Album! Auf die Ideen und Lieder, die hoffentlich auch in Zukunft weiter sprudeln! Auf die Musik, die uns Menschen bewegt! Wer sich „2 is besser“ entgehen lässt, verpasst einige Ohrwürmer, Denkanstöße, Wortspiele und Lacher – und eben richtig gute, handgemachte Musik!

Die CD sowie Texte, Informationen und Konzerttermine gibt es unter www.grovital.de/musik

 

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