Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Das große Röcheln. Wie lange noch, Liedermacher-Magazin? Heiniger trifft: David Wonschewski

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von Markus Heiniger

Wir stehen irgendwo am Bodensee oder im Rheintal unter einem Gewächs, das nur in den milderen Klimazonen Deutschlands gedeiht. Denn der bis zu zehn Meter hohe Strauch mit seinen aromatisch duftenden Blättern gilt in raueren Regionen als nicht Winterfest. David reisst an einem Ast über sich eines der Blätter ab und dieses wiederum in Stücke. Wie ein Heiligtum hält er das Fitzelchen nun in seiner Hand und riecht daran.

Markus Heiniger (MH)  Apollos Haupt, das Haupt des Griechischen Gottes der Vorsehung und der schönen Künste, zierte stets ein Lorbeerkranz zum Zeichen einer unerwiderten Liebe. Geht es dir mit dem Online-Journal «Ein-achtel-Lorbeerblatt» im Grunde ähnlich? Ich meine, ganz privat gefragt, liebet ihr einander noch, «Ein-Achtel-Lorbeerblatt» und du?

David Wonschewski (DW) Ach, um es an Truffaut angelehnt zu sagen: Sie küssten und sie schlugen sich. Als ich vor diversen Monaten etwas brachial meinen Ausstieg erklärte, lagen zugegeben die Nerven allgemein ein wenig blank. Der Mensch schleppt halt so seine diversen Baustellen mit sich herum. Und damit aus diesen Baustellen wieder konstruktiv angegangene Projekte werden können, tut Ausdünnung Not. Entschlackung. Ich habe das Lorbeerblatt seinerzeit bewusst über meine persönliche Klinge springen lassen, da die Balance seit geraumer Zeit schon nicht mehr stimmte. Das Blatt zwackte weit mehr Energien ab, als es mir spendete. Und das darf bei einem ertragsfreien Projekt nun einmal nicht sein. Wer sich von morgens bis abends mehr schwarz über etwas ärgert, als dass er sich dran erfreut – braucht Abstand. Das Lorbeerblatt in zwar bekannte, aber eben doch andere Hände zu legen tat gleichermaßen weh, wie es befreite.

MH        Im Januar 2012 habe ich dir von der Schweiz aus geholfen – mental jedenfalls – es zu gebären, das Liedermacher-Online-Journal. Wie bist du damals auf die Idee gekommen so etwas ins  «WeltWeite» Netz zu stellen?

DW        Im Grunde aus dem gleichen Grund wie wir jetzt hier hocken und über eine potentielle Zukunft sinnieren: Es gab und gibt nichts, was das gewährleistet, was das EAL zumindest versucht hat. Nämlich eine virtuelle Spielwiese für Liedermacher und deren Fans zu sein. Bevor wieder jemand beleidigt ist: Natürlich gibt es auch ein paar wenige andere Angebote, die aber haben einen gänzlich anderen Ansatz. Dass es das also weiterhin nicht gibt, ist und bleibt für mich weiterhin eine Absurdität. Ich weigere mich schlichtweg das zu akzeptieren. Wenn es irgendwo eine fette musikjournalistische Marktlücke gibt, dann hier.

MH        «Aller Anfang ist schwer». Inwiefern galt das damals fürs Lorbeerblatt?

DW         Dass der Anfang schwer war, kann ich gar nicht mal behaupten. Denn zu Beginn war das Lorbeerblatt nicht viel mehr als eine private Website, eine nette Möglichkeit meinem Hobby – Musik hören und dann darüber reden – zu frönen. Schwierig wurde es erst, als sich ein erster kleiner Wahrnehmungserfolg einstellte, die Zugriffszahlen stiegen und sich von selbst Leute , Liedermacher, Labels meldeten, mir CDs und Tickets anboten etc.  Sowas kann einen Journalisten durchaus anfixen, wie es so nett heißt, wenn er merkt, dass er da auf eine kleine Wahrnehmungsgoldader gestoßen ist. Eine, die auch noch enormen Spaß bereitet.  Plötzlich setzt man sich also neue Ziele, will Kontakte knüpfen, Musikern wie Lesern mehr bieten, mehr und immer mehr. Um das zu können braucht es aber, klar: Mitarbeiter. Und da wurde es leider sehr kompliziert.

MH       Inwiefern?

DW        Es gibt weitaus mehr Liedermacher als Leute, die über Liedermacher schreiben wollen. Schon mit finanziellen Mitteln wäre das nicht so einfach, ohne finanzielle Mittel ist es nahezu unmöglich adäquate Schreiber zu finden. Wenn sich welche finden lassen, so sind das selten Journalisten. Du, Markus, bist in der Tat eine der wenigen Ausnahmen. Nun muss man nicht unbedingt Journalist sein, um bei uns mitzumachen. Keineswegs, professionelle Standesdünkel habe ich da nicht.  Es ist jedoch wichtig, sich immer wieder klar zu machen, dass die Leute, die wir im Team hatten, fast komplett keine solchen Journalisten waren, es auch gar nicht sein wollten. Das bedeutet: Die Leute hatten, was nachvollziehbar ist, wenig Interesse daran „hart in der Sache“ zu sein und „klare Kante“ zu zeigen, wie es der aktuelle Politikersprech so gerne nennt.

MH        Kuschel-Journalismus?

DW        Die wollten ihrer Freude an Liedermachern Ausdruck verleihen, wollten Gutes tun, Schönes sagen. Freude nach Feierabend haben. Was sie nicht wollten: einem Musiker aufs Brötchen schmieren, was an seiner CD nicht gelungen, was womöglich sogar mies geworden ist. Wenn du kein Geld hast, um professionelle Schreiber zu bezahlen, musst du diesen berechtigen Wunsch „schreibender Privatleute“ akzeptieren. Und hinnehmen, dass dein journalistisches Projekt zum Schönwetterblatt verkommt, auf dem fast durchwegs nur gelobt wird.

MH        Wie ist deine Haltung?

 

  …ich habe mit meinem Wunsch härter zu werden verloren…

 

DW         Wir haben darüber intern sogar demokratisch abgestimmt und ich habe mit meinem Wunsch „härter“ zu sein verloren. Habe ich natürlich akzeptiert. Es war dann aber auch exakt der Zeitpunkt, an dem ich das Interesse am Blatt verloren habe und wenig Lust hatte, noch länger mit meinem Namen, ja sogar meinem Gesicht dafür zu stehen. Ich will nicht verschweigen, dass ich aus diesem Grund bei Rezensionen selbst immer jubilierender wurde in meinem Tonfall. Wer bei mir Sonne bestellt, kann Sonne haben. Da wird bewusste Überhitzung dann zum letzten verbliebenen Spaß.

MH        Die erste Romantik der Liebesbeziehung war da also weg. Mindestens. Solche Momente sind ja erst recht dazu geschaffen nochmals an die Anfänge zurückzudenken. Denn die Gründe für die Beziehung liegen ja oft auch im Moment ihrer Entstehung. Was also ist die Essenz? «Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne», heisst es ja auch.

DW        Der geschilderten Ärgernisse zum Trotz überwogen schon die tollen Erfahrungen. All die vielen Leute, die man kennenlernen durfte, all die Musiker, die auch mir bei meinem eigenen Schreiben sehr weitergeholfen haben. Auch fühlt man sich zu Beginn arg gebauchpinselt, wenn plötzlich so viele Leute was von einem wollen, ja man sogar bei der Liederbestenliste mitpunkten darf. Leider gibt es so einen fiesen Scheitelpunkt, wo sich diese Form von Beliebtheit aber wandelt und zu Druck wird. Bei einem professionellen Projekt kann man da gut drüber stehen, auch das kenne ich aus meiner beruflichen Vita. Bei so einer Hobbysache ist es aber anders, persönlicher, und das war mir in der Praxis offen gesagt neu. Um es salopp zu sagen: Auch in der Liedermacherszene merkt man irgendwann, dass Opportunismus und Freundschaft verdammt nah beieinander liegen können. Aber warum sollte das bei Liedermachern auch anders sein als bei anderen Menschen?

MH        Oh, ja, echte Freunde gibt es nicht wie Sand am Meer. Aber Hand aufs Herz. Ein wenig stolz warst (und bist) du ja trotz aller Widrigkeiten auf dein «Baby.», oder?

DW        Klar. So stolz wie man auf sein etwas missratenes und verzogenes Kind ist.

MH        Was hat dir von deiner Arbeit her am besten daran gefallen?

DW        Als ehemaliger Radiomacher schon die Radioshow. Herrje, wie hieß die noch? (lacht) Ach ja: Herbstgewitter. Wie romantisch. Ansonsten gefielen mir auch unsere monatlichen Jury-Runden sehr gut. Das war irgendwie der Stammtisch, wie ihn auch Leute meines Schlages genießen können. Nur das ständige Gekloppe darum, wer die Rezension der gekürten Platte des Monats schreiben muss, war etwas unschön. Waren halt überwiegend Musiker in der Jury. Und die wollen aus nachvollziehbarem Grund lieber anonym bleiben.

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(David Wonschewski mit Manfred Maurenbrecher, 2014)

                …was mich ein wenig hoffnungsfroh stimmte und stimmt, waren die Zugriffszahlen, die waren überraschend gut. Kein Wunder…

MH        Und was vom Resultat her, ich meine, wenn du «Ein-Achtel-Lorbeerblatt», so an einem verregneten Sonntagabend, geöffnet und etwas darin geschmökert hast?

DW        Also dafür bin ich wohl doch zumindest in der Denke zu professionell, um das zu können. Ich wühle mich durch die Seite und sehe fast überall Dinge, die ich – nicht andere – hätte besser oder anderes hinkriegen müssen. Was mich ein wenig hoffnungsfroh stimmte und stimmt, waren die Zugriffszahlen, die waren überraschend gut. Kein Wunder, so ohne Konkurrenz in dem Bereich.

MH        Reinhard Meys Titel «Mein achtel Lorbeerblatt» ist Pate gestanden bei der Namensgebung. Und für Reinhard Mey war es ok, ja, im Grunde mehr als das. War deine Begegnung mit ihm der Höhepunkt deiner Arbeit mit dem Lorbeerblatt? Kannst du deine Begegnung mit dem Beinahe-Namensgeber deines leicht verzogenen Kindes in ein paar knappe Worte fassen?

DW        Ich habe Reinhard Mey als einen Menschen kennengelernt, dem es fern liegt, irgendwen oder irgendwas zu adeln. Schon gar nicht sich selbst. Und doch hat er es bei unserer Zusammenarbeit getan. Er hat das Blatt auf eine höhere Stufe katapultiert. Und auch mir diverse Tore geöffnet dadurch, definitiv.

MH        Und gleichzeitig war das auch der Anfang vom Ende. Oder sehe ich das falsch?

DW        Abgesehen von den bereits benannten Dingen führte auch das dazu, sicherlich. Im Grunde ein bekanntes Menschenphänomen, kennt jeder. Solange du unter der Wahrnehmungslinie operierst, wirst du weder gemocht noch gehasst. Sobald aber ein wenig Licht auf dich fällt, kommen sie von beiden Seiten. Neben Lob und Zuspruch haben meine Kollegen und ich sich eine Menge Grütz anhören müssen. Kritik ist richtig und gut und nötig – und wer sich in die Öffentlichkeit stellt, muss das abkönnen, klar.  Wenn du aber merkst, dass die Leute beginnen dich mit professionellen Maßstäben zu bewerten, wird es schwierig, unmöglich zu diskutieren. Wir waren nie professionell, so gerne ich zumindest das auch gehabt hätte.  Ich erinnere mich an einen ganz netten virtuellen Shitstorm im Liedermacherforum. Was alles schief läuft und schlecht ist und überhaupt: Was denke sich Wonschewski?! Social Community halt, ein Kern Wahres wird mittels zwangsläufiger Unkenntnis der Materie zu einer eigenen, semi-skandalösen Wahrheit vermengt. Es  wurde mir damals nahegelegt, dass es doch anständig wäre mich dort sehen zu lassen, aufzuklären, Stellung zu beziehen. Das mag von Außen betrachtet so sein, aus der Mitte des Lorbeerblatts aber nicht. Man kann nicht jedem hinterher rennen, der einen – berechtigt oder unberechtigt – kritisiert. Sollte man als Musiker nicht tun und als Medienmacher noch viel weniger.  Schon aus zeitlichen Gründen. Man darf nicht vergessen: Jede schriftliche Antwort auf Kritik (egal ob Forum, Facebook oder Mail) bedeutet, dass irgendein junger Musiker keine CD-Rezension bekommt. Weil der Tag nur 24 Stunden hat.

MH        Was an deiner Arbeit mit dem Lorbeerblatt ist dir am meisten an die Nieren gegangen?

DW       Um ehrlich zu sein: eine gewisse Doppelzüngigkeit innerhalb des Genres. Gibt genug Beispiele, muss ich keine direkt nennen. Und erwähne lediglich, dass unter jedem Artikel und unter jedem Facebook-Posting arg viel Platz ist, um mit dem eigenen Namen öffentlich Stellung zu beziehen. Als Journalist baut man da ja sogar drauf, herrliche Zeiten sind das, um auch über große Entfernungen hinweg zu diskutieren, unterschiedlicher Meinung zu sein. Was gäbe ich darum, wenn mal jemand unter eine Rezension geschrieben hätte „Der Wonschewski hat wohl Tomaten auf den Ohren, Lied 7 auf der CD xy ist widerlich!“. Macht man in der Öffentlichkeit aber nicht, gilt in unser angeblich so standhaften Szene als unanständig. Hinten herum wird dafür umso emsiger gelästert. Was ich so an Mails erhalten habe, wo mir subjektive Meinungen fundiert dargelegt wurden, großartig. Nur – warum packt jemand das in eine Mail an mich, schreibt  sogar dazu „nicht veröffentlichen, nur mal unter uns, offen gesprochen“.  Was für ein herrlicher Widerspruch! Wenn man exakt diese Leute dann auf der Bühne hört wie sie ihrem Publikum diese alte Leier verkaufen, wonach sie sich nie verbeigen haben lassen, immer felsenfest zu ihrer Meinung standen, keinen Konflikt scheuten…doch, das kann schon mürbe machen. Auch kenne ich einige sehr kritische Liedermacher, charakterlich mindestens hundertmal so aufrecht und anständig wie ich, bewundernswert. Wenn du dir aber beispielsweise deren Facebook-Historie anschaust, entdeckst du ein einziges großes Kuschelbedürfnis. Und wenn mal gemeckert wird, dann gegen so Dinge, wo man nix falsch machen kann vor den eigenen Fans. Merkel oder AfD. Mag sein, dass sowas bei vielen Leuten in der Liedermacherszene als anständig und kontrovers durchgeht. Ich finde es eher aalglatt und schmierig, wie eine Lorbeerblatt-Rezension (lacht). Auch finde ich es befremdlich, wenn Liedermacher nach einem negativen Halbsatz in einer Plattenbesprechung gleich mit Anwälten drohen, so man das nicht umgehend löscht. Das ist so ein Punkt, da werde ich sauer und besorgt. Und ahne, dass auch im linken Spektrum so manch kleiner Erdogan unterwegs ist.

MH        Wie bist du damit umgegangen?

 

…und man entnervt das Weite sucht…

 

DW        Gleichermaßen richtig wie falsch. Habe teils aufgedreht und Leute durch eine umso konfrontativere Sprache herausgefordert, respektive auch vor den Kopf gestoßen. Und teils schulterzuckend akzeptiert wie es eben ist. Immer schön im Wechsel. Bis halt kein Bock an der Sache mehr da war und man entnervt das Weite sucht,  auf dem Weg nach draußen noch ein paar Leute zusammenfaltet, die nun wirklich nichts für die Schlechtigkeit der Welt können. Charakterliche Verformung par excellence. Bin ich keineswegs stolz drauf.

MH        Was könntest du deinem Nachfolger zur Schonung seiner eigenen Nieren allenfalls raten?

DW        Naja, frei nach einem Stück von Götz Widmann rate ich: Werde Meeresbiologe. Oder Tantraastrologe. Lerne, wie man ein Tipi baut, so richtig schön mit Abzugloch und Aussenhaut. Auch sehr nett: Grimassen schneiden, schielen, Mittelalterlaute spielen. Oder tanz nackt auf dem Vesuv, aber bitte lern keinen Liedermacherjournalistenberuf.

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(David Wonschewski bei Reinhard Mey, 2013)

MH        Der Mensch braucht Luft und Liebe. Und Chansons. Aber nicht nur. Wie wäre ein Produkt wie das Lorbeerblatt in eine Milchkuh zu verwandeln. Oder meinetwegen in einer Eier legende Woll-Milch-Sau?

DW        Nun, wir stehen da bekanntlich vor einem allgemeinen Presseproblem. Die Leute erwarten, dass journalistische Inhalte im Netz umsonst zu haben sind. Auch auf die Gefahr hin, dass auf diese Weise das Adjektiv „journalistisch“ endgültig über die Wupper geht. Im Grunde gibt es daher nur zwei Möglichkeiten: Entweder man macht das Ganze zu einem subjektiven und als Hobby betriebenen Medienerzeugnis, also z.B. zu meinem persönlichen Musikblog. Dann ist es mir überlassen, was ich wann schreibe. Rechtfertigungen sind dann unnötig, ich gehorche nur meinen zeitlichen Möglichkeiten, meiner Lust und meinem Privatgeschmack. Viele Literaturseiten im Netz funktionieren so. Oder aber wir erschließen uns Geldquellen. Da sind natürlich diverse Herangehensweisen denkbar. Klar muss einem aber eben auch sein, dass eine Professionalisierung  nicht nur Vorteile, sondern altbekannte Nachteile mit sich bringt. Wenn uns beispielsweise ein Label sponsort oder auch nur ein Privatmann, wenn wir „Eintritt“ von Lesern verlangen oder – auch eine Idee – einem Marketingstudenten die Möglichkeit geben das EAL zu seiner Doktorarbeit zu machen, dann geht der letzte Rest Unabhängigkeit flöten, klar. Und doch ist all das eine mittlerweile durchaus gewünschte Option. Für Vorschläge und Angebote sind wir aktuell aber sehr offen. Abducken ist nicht – solange es kein besseres Angebot im Netz gibt bleiben ich und das verbliebene Rumpfteam dran, suchen derzeit konkret nach solchen Förder- und Entwicklungstöpfen. Bisher noch ohne Erfolg. Eins ist jedoch klar: so wie es bisher lief, funktioniert es nicht. Der Fisch stinkt bekanntlich immer vom Kopf her. Und wenn ich der Kopf bin, nun, dann haben wir den Schuldigen an dem entfachten Dilemma durchaus gefunden. Das meine ich gar nicht einmal ironisch.

MH        Kannst du drei Gründe nennen, weshalb das Lorbeerblatt überleben sollte?

DW        Nein (lacht). Deswegen wird es ja überleben. Weil es schlimmstenfalls mein Privatblog wird, der dann vielleicht keine Sau mehr interessiert, der mir aber höllisch Spaß machen wird. Back to the roots.

MH        Du selber bist seit der Gründung deines Online-Journals ein Schriftsteller geworden. Gibt es, wenn du einst mit schütterem, grauem Haar aus deinem fünfzehnten oder meinetwegen einunddreissigsten Roman vorliest, das Lorbeerblatt noch?

DW        Ich hoffe doch. Denn machen wir uns nix vor: einen Gutteil meiner Buchverkäufe verdanke ich der Tatsache, dass ich der vom EAL bin. Kann man abscheulich finden, seufzend zur Kenntnis nehmen – oder mir gratulieren, dass ich auf diesem Wege zumindest eine minimale Querfinanzierung hinbekommen habe.

MH        Was wird es gebraucht haben um längerfristig zu überleben?

DW        Aus meiner Sicht sind drei Dinge entscheidend. Als erstes: journalistische Schreiber. Als zweites: Geldgeber, um diese Schreiber fair entlohnen zu können und ein modernes Medienprodukt – ja, ein „Produkt“! – ins Netz stellen zu können, das zum Verweilen, nicht zum Davonlaufen einlädt. Und drittens: eine Leserschaft, die erkennt, dass das Internet eine Spielwiese ist. Bei aller berechtigten Kritik daran, zurückzudrehen ist das Rad der Geschichte bekanntlich eh nicht. Also teilhaben, kommentieren, kritisieren, verbreiten! Mund-zu-Mund funktioniert besser als je zuvor, via Mausklick! Nachwuchsförderung – so einfach im Netz! Auch das ist ein Grund, warum das Chansongenre medial etwas versackt ist.

MH        Danke fürs Interview!

DW        Bitte, gerne.

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Markus Heiniger denkt:

Es mag Freund Atlas, der Titan,

den Globus nicht mehr tragen

er lässt die Erde untergehn

und richtet seinen Kragen

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zur Website von Markus Heiniger: HIER klicken.

David Wonschewski vermutet:

Das große Rätsel: Was soll aus mir werden
Was ist geblieben, von dem was getan?
Die Jugend, abgelöst vom Ernst des Lebens
Der Ratgeber empfiehlt: Haltung bewahrn!
Ideale weiß man schon
Gar nicht mehr richtig zu schreiben
Jetzt tut man alles für Ruhm und Geld
Der Weg dahin, ist steil und holprig
Wobei einem so mancher Skrupel entfällt.

(aus: EA80 – „Was ist geblieben“)

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zur Website von David Wonschewski: HIER klicken.

Ttelfoto David Wonschewski: Mandy Brockwitz

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 17. Mai 2017 von in Heiniger, Uncategorized und getaggt mit , , , .
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