Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Strom & Wasser – Herzwäsche (2017)

 

von Arno Wilhelm

Das neue Album „Herzwäsche“ von Strom & Wasser, der Band rund um Heinz Ratz, führt konsequent den Weg der Band der letzten Jahre und den von Ratz selbst weiter. Enstprechend sind die Themen zumeist politischer Natur. Das Album beginnt auch gleich mit „Wir sind das Volk“-Rufen, vermischt mit Tiergeräuschen. Im zugehörigen Lied schreit Ratz dem lautstark „Ihr seid nicht das Volk“ entgegen. Manche Texte des Albums wenden sich dabei ganz deutlich gegen Organisationen wie beispielsweise Pegida, viele stellen auch allgemein die Entwicklungen unserer Zeit wie die Leistungsorientierung in Frage.

Auch wenn die Themen der Songs von Strom & Wasser grundsätzlich über die Jahre ähnlich geblieben sind, findet Heinz Ratz in seinen Texten doch immer wieder neue Facetten und Aspekte, die er herausarbeitet. Globalisierung taucht als Thema auf und die Lebensvorstellungen der Menschen. Was ist eigentlich ein Idyll in unserer Zeit? In „Kinderkloppe“ beschäftigt er sich mit unserem Umgang mit Kindern und deren Möglichkeiten, ein buntes Leben zu führen. Er stellt nah an einem Ringelnatz-Gedicht die Überlegung an, dass es nur ein paar Kinder braucht, um einen Großen zu verhauen. Ein Aufruf, sich zu wehren. Auch das ist ein immer wiederkehrender Ansatz in den Texten von Strom & Wasser, nicht einfach nur abzuwarten sondern die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Heinz Ratz lebt das selbst vor mit seinen zahlreichen Projekten der letzten Jahre. Er hat Flüsse durchschwommen, um auf Umweltverschmutzung aufmerksam zu machen, ist mit den Refugees auf Tour gegangen, zuletzt gründete er zusammen mit Konstantin Wecker das Büro für Offensivkultur, um ein künstlerisches Netzwerk gegen Faschismus und Unrecht aufzubauen. Zur Zeit sind sämtliche Konzerte der Band mit freiem Eintritt, um diese Vernetzung voranzutreiben und niemanden auszuschließen.

Wenn Heinz Ratz die Konzentration auf Oberflächliches, auf Karriere und Konsum besingt, stellt man sich beim Hören auch selbst in Frage und kommt ins Nachdenken über das eigene Leben. Doch auf dem Album sind nicht nur politische und ernste Themen vertreten. Es gibt auch viel zu lachen und ebenfalls ganz andere Arten von nachdenklichen Worten. Wenn in „Schönheit in A(lt)-dur“, das man nur mit dem Wort Liebeslied treffend beschreiben kann, das Alter besungen wird, spürt man Emotionen und Poesie, ganz ohne Politik.

Musikalisch ist das Album sehr vielseitig: Zahlreiche Instrumente und die volle Bandbreite zwischen leisen, sanften Tönen und voller Dröhnung treten auf. Die musikalischen Punk-Anleihen nehmen dabei etwas ab, dafür klingen einige Lieder sehr von Funk beeinflusst. Mal spielt eine Geige, mal eine E-Gitarre, auch stimmlich kommt nicht nur Ratz selbst zu Wort. Wie bei Strom & Wasser zu erwarten, ist es eine bunte, aber gelungene Mischung voller Energie.

Insgesamt ist das Album gelungen und es macht Spaß, es zu hören, auch wenn es einen nachdenklich ob des eigenen Lebenswandels zurücklässt.

http://strom-wasser.de

 

 

 

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 9. August 2017 von in 2017, Liedermacher, Q-T, Strom & Wasser.
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