Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

„Wir konnten unsere Lieder neu entdecken“ – Interview mit Jan Traphan zum Album „Ach Mensch“ von Simon & Jan

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von Rike Krüger

Jetzt ist es raus. Das Studio-Album „Ach Mensch“ von Simon & Jan. Obwohl er gerade auf Tournee ist, fand Jan Traphan die Zeit, meine per Mail gestellten Fragen zu beantworten.

EAL Am 26. Juni erscheint euer neues Studioalbum „Ach Mensch“ – mit dem Programm seid ihr ja schon seit Jahren unterwegs – wie war es für euch die Lieder, die ihr auf der Bühne mit 2 Akustikgitarren und hin und wieder Loopstation begleitet, nun mit den zusätzlichen Instrumenten neu zu entdecken?

Jan Traphan (JT) Wir sind seit ungefähr eineinhalb Jahren mit dem Programm „Ach Mensch“ unterwegs – manche Lieder sind älter, andere relativ frisch dazugekommen – und das Album ist natürlich längst überfällig! Andererseits konserviert man sein Programm mit einem Album für die Ewigkeit – da sollte man nichts überstürzen! Auf die Studioarbeit haben wir uns beide sehr gefreut – wir kannten das ja von unserem ersten Album. Dadurch, dass wir das ganze wieder auf Simons Sofa aufgenommen haben, hatten wir keinen Zeitdruck, konnten in aller Ruhe an Arrangements und Sound basteln, befreundete Musiker einladen und gemeinsam unsere Lieder neu entdecken und feiern!

EAL War euch vorher klar, wie das klingen würde/sollte? Habt ihr die Arrangements vorgegeben oder haben die Musiker eigene Ideen beigesteuert?

JT Wenn man im Studio ist und seine Lieder – und seinen Kollegen! – bereits so gut kennt, fordert jedes Lied sein Arrangement eigentlich ganz von selbst ein. Uns beiden war schon relativ lange klar, wie das klingen sollte. Aber wir hätten nicht so hervorragende Gastmusiker eingeladen, wenn wir nicht auch Lust darauf gehabt hätten, uns überraschen zu lassen.

EAL Das Album wurde „auf Simons Sofa“ aufgenommen – wie kann ich mir das vorstellen?

JT Als wir unsere erste Demo-CD auf Simons Sofa – damals noch in einer anderen Wohnung – aufgenommen haben, mussten wir während der Aufnahme unsere Socken ausziehen und unsere nackten Füße auf den Mikrofonständer stellen, da es irgendein Erdungsproblem gab und wir nur so ein fürchterliches Brummen auf der Aufnahme verhindern konnten. Mittlerweile steht Simons Sofa – zumindest für unsere Anforderungen – einem professionellen Tonstudio in nichts nach. Allerdings ist es gemütlicher, wir haben keinerlei Zeitdruck und können, wenn wir wollen, auch mitten in der Nacht aufnehmen.

EAL „Musik und Text: Simon & Jan“ heißt es bei allen 13 Liedern – wer macht was? Wie ist z.B mein persönlicher Favorit auf dem Album „Apokalypse“ entstanden?

JT Meistens ist die Entstehung unserer Lieder relativ unspektakulär. Ich spiele ein bisschen Gitarre und schreibe einen Text dazu, irgendwann fass ich mir ein Herz und spiele es Simon vor. Und dann wird im Laufe von ein paar Abenden ein Simon & Jan-Lied daraus, indem wir spielen, verwerfen, feiern… und irgendwann ist das Lied halt da.
„Apokalypse“ ist auf La Palma entstanden. Simon hatte mir seine 3/4 Gitarre geliehen, da die im Flieger als Handgepäck durchging. Wir waren mit einer ganzen Liedermacherrunde auf der Insel. Aber es war schon spät und über dem Meer vor unserem Haus an der Steilküste braute sich ein ganz schönes Unwetter zusammen. Die Idee hatte ich schon lange im Kopf. Und nun saß ich da mit meiner Kindergitarre an den Klippen und meterhohe Wellen schlugen mit einem ohrenbetäubenden Donnern ein… Angesichts so einer Naturgewalt kommt man sich ganz automatisch klein vor. Die Kindergitarre tat ihr Übriges.
Eine passendere Kulisse für die Entstehung dieses Liedes kann man sich nicht vorstellen! Aber meistens ist die Entstehung unserer Lieder relativ unspektakulär.

Apokalypse

EAL Ich bin bei euren Konzerten immer wieder fasziniert davon, wie ihr die Loop-Station einsetzt. Wieviel Übung gehört dazu, die einzelnen Schleifen so zu spielen und zu singen, dass sie so aus einem Guss klingen, dass ich schon im Publikum die Vermutung gehört habe „das ist doch Playback“. Wie entwickelt man so ein Arrangement – oder wie auch immer der Fachausdruck dafür heißt?

JT Der Fachausdruck heißt wohl Timing. Simon bedient bei uns die Loop-Station. Und auch wenn wir sie – zumindest bisher – gar nicht vorrangig ‚rhythmisch’ einsetzen, ist die Loop-Station ja schon ein sehr rhythmisches Instrument, das schlechtes Timing sofort und äußerst nachhaltig bestraft. Im Endeffekt ist es dabei ja sogar so, dass die ganzen Schleifen aus einem Guss – bzw. aus Simon – kommen, bis auf Ausnahmen, bei denen mein Gesang geloopt wird.

EAL Eure Lieder sind von den Texten her sehr unterschiedlich. Mal „nur“ komisch, oft ein wenig boshaft und dann wieder hoch politisch und bitter ernst, oft provokativ. Bei „Ach Mensch“ und „Apokalypse“ oder auch „Geld“ vermute ich, dass euch die Themen angesprungen und nicht mehr losgelassen haben. Da was „raus musste“ – aber wie ist das bei Liedern wie „Titten und Ärsche“ oder „Hobby ohne Lobby“? Was steckt da dahinter?

JT Also „Titten & Ärsche“ hat/haben mich auch einfach angesprungen… und offenbar musste es dann ja auch raus! Oftmals ist da am Anfang einfach nur ein Bild. Im besten Fall handelt es sich nicht nur um sekundäre Geschlechtsmerkmale. Bei „Hobby ohne Lobby“ war es z.B. jemand, der mit einem riesigen Magneten vor dem Piercingstudio steht.

EAL Ihr teilt ja auch mal ganz schön aus, z.B. bei „Bleib bei deinen Leisten“ oder bei „Geld“. Gab es  Reaktionen von den namentlich genannten Personen?

JT Vereinzelt schon. Christian Ulmen und Jürgen Vogel haben auf unsere Kritik reagiert, indem sie unser Video bei Facebook geteilt bzw. geliked haben – wohl eine zeitgenössische Form der Katharsis. Auf „Bleib bei deinen Leisten“ gab es keine direkte Reaktion von den kritisierten Personen. Nur Heino sagte kurz darauf in den veröffentlichungswilligen Blättern: „Mein letzter Wille – Tod mit Brille!“ Wir wissen aber nicht, ob das eine direkte Reaktion des Konditormeisters auf unser Lied war. Wohl aber wurde das Lied von einem Fernsehredakteur abgelehnt, da er ganz offenbar Angst vor kostspieligen Konsequenzen hatte.

EAL Danke, Jan!

JT Gerne!

EAL Da fällt mir noch was ein: Was würdet ihr im Jahr 2030 gerne über 2015 sagen?

JT Weißt du noch damals, dieses Interview, mit dem das große Glück begann?

Die Erde dreht sich

www.simonundjan.de

 

Ein Kommentar zu “„Wir konnten unsere Lieder neu entdecken“ – Interview mit Jan Traphan zum Album „Ach Mensch“ von Simon & Jan

  1. manchmal_Lyrik Wolfgang Weiland
    11. September 2017

    was ich von den beiden bis jetzt gehört habe fand ich klasse.
    man muss sehr genau zuhören.aber ich mag das.
    lg wolfgang

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