Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Götz Widmann – Sittenstrolch (2017)

gwid

Ein Gastbeitrag von von Arno Wilhelm

Wer häufig auf dem Lorbeerblatt unterwegs ist, wird an dieser Stelle möglicherweise verwundert innehalten. Gab es diese Rezension nicht schon? Mitnichten. Wenn auch das Album an dieser Stelle schon mal rezensiert wurde, vom Herrn Wonschewski persönlich, zu finden unter: https://einachtellorbeerblatt.wordpress.com/2017/05/10/rezension-goetz-widmann-sittenstrolch/

Der Gedanke und die Hoffnung dabei sind, dass zusätzliche Meinungen, eben auch zur selben Platte, kein Schaden sind. Und so wage ich mich an dieser Stelle an eigene Gedanken zum neuesten Silberling vom Urgestein des Liedermachings.

Götz Widmann hat also ein neues Album herausgebracht, das auf den Namen ‚Sittenstrolch‘ hört. Die insgesamt 14 Songs sind Studioaufnahmen mit verschiedensten Instrumenten von der erwartbaren Gitarre über Schlagzeugrhythmen bis hin zu Streichern und Klavier.

Die Themenspanne des Albums ist sehr groß. Götz besingt Themen wie Einwanderung, eine Frau im Burkini, die übermäßige Smartphone-Nutzung, Drogen oder die Liebe alle mit dem ihm eigenen Charme in den Texten.
Sogar eine Fabel ist vertreten. ‚Jackpot‘ ist dabei inhaltlich nahe an dem Song ‚Mein Leben begann mit einem großen Sieg‘ seiner früheren Zweimannband Joint Venture, bei ‚Femina Superflower‘ schlägt er den Bogen zu einem früheren Lied noch deutlicher, da der Text direkt an die Wunderdroge, die aus Männern Frauen macht anknüpft. Diese hat er im Song ‚Wie ich eine Frau war‘ auf seinem ersten Soloalbum besungen.

Auffällig ist der Sound, der stärker variiert als bei früheren Alben. Zwischen rotzig punkig, ACDC-Anleihen, ruhigen und getragenen Stücken und dem klassischen Sound aus dem ominösen ‚früher‘ ist vieles dabei. Die Musik scheint sehr eng mit den Texten verknüpft und fängt deren Stimmung in vollem Umfang ein.

Neben vielen witzigen Songs und viel Unfug und einigen sehr schönen Liebesliedern merkt man dem Album auch an, das manche seiner Themen gemeinsam mit Götz Widmann altern. Er besingt Erinnerungen daran Zwanzig zu sein und die Vorteile von Männern ab 50. Die drogenlastigeren Songs nehmen mittlerweile insgesamt einen geringeren Anteil ein, doch von  Altersruhe ist auf diesem Album auch noch nichts zu spüren. Der Spagat zwischen lauten und leisen Anteilen gelingt Götz Widmann dabei gut und er schließt mit der Erkenntnis, dass er gern ein Sadhu wäre. Sadhus sind im Hinduismus diejenigen, die sich völlig der Religion verschrieben haben und so endet dieses laute und leise Album auf einer sehr ruhigen Note.

Kritisiert David Wonschewski in seiner Rezension, dass Songs wie ‚Digitaler Burnout‘ nicht der textlichen Klasse eines Götz Widmann entsprechen, würde ich dem entgegen halten wollen, dass auch auf älteren Alben von Götz oder Joint Venture vereinzelt Songs zu finden sind, die inhaltlich eine vergleichbare Fülle haben und zur Vielfalt des Gesamtwerks beitragen. ‚Femina Superflower‘ sehe ich im Gegensatz zu ihm ganz und gar nicht als unnötig sondern als originelle Art, eine Idee weiterzudenken. Seine Worte zu ‚Burkiniqueen‘ würde ich hingegen augenblicklich unterschreiben.

Insgesamt ist ‚Sittenstrolch‘ ein Album, das sehr vielfältig ist und das Gefühl vermittelt, dass Götz Widmann noch lange nicht am Ende seiner Themen und musikalischen Ideen angelangt ist.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 4. Oktober 2017 von in 2017, Plattenbesprechungen, Uncategorized, Widmann, Götz und getaggt mit , , , .
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