Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Masha Potempa – „Rauchschwalben am Horizont“ (2016)

Cover-Rauchschwalben300

Ein Gastbeitrag von Kai-Olaf Stehrenberg

Obwohl es sich ja gerade die Liedermacherei zur Aufgabe gesetzt hat, hinter die Oberflächen zu schauen, kann sich nicht einmal ein Rezensent von Ein Achtel Lorbeerblatt davon frei sprechen, immer frei von Vorurteilen zu sein.

Alles begann mit meinem Wunsch, nach langer Zeit wieder für Ein Achtel Lorbeerblatt zu schreiben. „Hör dir mal Masha Potempa an und sag, was du von ihr hältst“ war die Antwort. Und als ich das verträumte Cover der EP „Rauschschwalben am Horizont“ sah – eine junge Frau mit frischer, jugendlicher Ausstrahlung – war ich voller Erwartung auf eine helle, glockenklare Stimme, die zauberhafte Lieder über die Liebe singt. Was ja auch sehr schön sein kann.
Dennoch wird es der geneigte Leser bereits ahnen: Ich hatte mich komplett geirrt. Anstatt luftiger Dur-Akkorde begegnen uns neben Gitarre vor allem Akkordeon und Kontrabass, die, weitestgehend in Moll gehalten, immer ein wenig melancholisch, aber niemals wirklich wehmütig klingen. Vor allem aber die Stimme von Masha ist ein wohliges, unerwartetes Ereignis, wenn sie gut und gern zwei Oktaven tiefer in das Mikrofon haucht als vermutet. Ihre meisterlich dunkle, oft schwelgerische Stimme erinnert stellenweise sehr an Alexandra, ebenfalls eine große Sängerin, wobei die Lieder von Masha viel kompromissloser ohne Schlageranleihen auskommen, sondern höchst authentisch Chanson, Liedermacherei und Folk mit einem Hauch russischer Klangfarben verbinden, die bereits rein musikalisch atmosphärische Bilder im Kopf entstehen lassen.

Mashas Texte stehen all dem in nichts nach: Sie erzählt ihre Geschichten voller verspielter, liebevoller Details und verschmitzter Raffinesse, die trotz großer Gefühle niemals kitschig werden. Einzelheiten zu den Texten finden sich im obigen Interview.
Die vier Lieder ihrer EP vergehen wie im Flug, so dass man nur hoffen kann, in naher Zukunft ein ganzes Album von Masha hören zu dürfen.

Insgesamt gibt es an der EP nicht das Geringste zu beanstanden, und würde Ein Achtel Lorbeerblatt mit Punkten arbeiten, würde „Rauschschwalben am Horizont“ die Höchstpunktzahl verdienen.
Für mich als Rezensenten ist dies fast schon etwas bedauerlich, habe ich doch für die Zukunft von der Redaktion grünes Licht dafür erhalten, auch kritische Rezensionen schreiben zu dürfen, und ich habe mich doch so sehr auf das Ausleben einiger sarkastischer Zeilen gefreut. Aber bei Masha ist da nichts zu machen. Wie schade für den Rezensenten. Und wie schön für alle Zuhörer.

Zum Lorbeerblatt-Interview mit Masha Potempa: HIER entlang.

Zur Website von Masha Potempa: HIER entlang.

 

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 4. Oktober 2017 von in 2016, Plattenbesprechungen, Potempa, Masha, Uncategorized und getaggt mit , , , .
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